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US-Prozess zu Social-Media-Sucht: Instagram-Chef bestreitet Suchtpotenzial der App
In dem womöglich wegweisenden US-Prozess gegen mehrere Internetriesen wegen des Vorwurfs der Förderung von Social-Media-Sucht hat der Chef des Onlinedienstes Instagram das Suchtpotenzial der App bestritten. "Ich denke, es ist wichtig, zwischen klinischer Sucht und problematischer Nutzung zu unterscheiden", sagte Instagram-Chef Adam Mosseri am Mittwoch vor dem Gericht in Los Angeles. Auch er habe schon einmal gesagt, nach einer Fernsehserie "süchtig" zu sein - das sei jedoch mit einer klinischen Sucht nicht vergleichbar.
Kläger-Anwalt Mark Lanier wies Mosseris Aussage umgehend zurück. Dieser habe weder einen Abschluss in Medizin noch in Psychologie. Mosseri entgegnete, er habe nie behauptet, klinische Sucht diagnostizieren zu können. Er sei sich sicher, das Wort in der Vergangenheit "zu beiläufig verwendet" zu haben.
Beklagt vor einer Geschworenenjury in Los Angeles sind der Google-Mutterkonzern Alphabet und Meta - die Tech-Giganten hinter Youtube, Facebook und Instagram. Den Konzernen wird vorgeworfen, ihre Plattformen gezielt suchtfördernd für Kinder und Jugendliche gestaltet zu haben. Die vom Konzern Bytedance betriebene Videoplattform Tiktok hatte kurz vor Prozessbeginn eine außergerichtliche Einigung erzielt.
Im Mittelpunkt des Verfahrens unter dem Vorsitz von Richterin Carolyn Kuhl steht der Fall einer 19-jährigen Frau, deren Name mit K.G.M. abgekürzt wird. Sie wirft den Betreibern von Online-Netzwerken vor, sie abhängig gemacht und dadurch schwere psychische Schäden bei ihr verursacht zu haben. Das Verfahren gilt als Musterprozess für zahlreiche weitere Klagen.
Die Anwälte der Kläger greifen bei dem Prozess auf Strategien zurück, die in den 90er- und 2000er-Jahren gegen die Tabakindustrie angewendet wurden. Bei der damaligen Klagewelle wurde unter anderem argumentiert, dass die Unternehmen ein schädliches Produkt verkauften.
Kläger-Anwalt Lanier hatte den Konzernen in seinem Eröffnungsplädoyer am Montag vorgeworfen, nicht nur Apps zu entwickeln, sondern auch "Fallen" zu konstruieren. Die Konzerne hätten "eine Sucht in den Gehirnen von Kindern erzeugt". Um seine Argumentation zu untermauern, legte er mehrere interne Dokumente von Google und Meta vor, die belegen sollen, dass die Unternehmen dabei mit Vorsatz handelten.
Meta und YouTube verfolgten eine "süchtig machende Strategie", sagte Lanier und hob hervor, dass das Geschäftsmodell von Meta und Google größtenteils auf Werbung basiere - sie profitieren also davon, wenn Nutzer möglichst viel Zeit auf den Plattformen verbringen.
Mosseri wies diese Behauptung zurück. "Wir verdienen weniger Geld mit Jugendlichen", da sie selten auf Werbeanzeigen klickten, sagte der Instagram-Chef.
Meta-Anwalt Paul Schmidt hatte in seinem Eröffnungsplädoyer entgegnet, dass der verschlechterte psychische Zustand der Klägerin hauptsächlich mit ihrer familiären Situation zusammenhänge. Probleme in der Familie und Mobbing in der realen Welt hätten ihr Selbstwertgefühl, ihr Körperbild und ihr Glück beeinträchtigt. Wenn man Instagram wegnehmen würde und alles andere im Leben der Klägerin gleich geblieben wäre, "wäre ihr Leben dann völlig anders oder würde sie immer noch mit denselben Problemen zu kämpfen haben wie heute?", fragte er.
Die Zeugenaussage von Meta-Chef Mark Zuckerberg wird für den 18. Februar erwartet. Der Chef von Youtube, Neil Mohan, soll einen Tag später aussagen.
A.Gasser--BTB