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Bahn rät wegen Hitze von Reisen ab - Tickets ab sofort stornierbar
Die Deutsche Bahn (DB) befürchtet wegen der aktuellen Hitzewelle Störungen im Zugbetrieb und rät von Reisen ab. Die Infrastruktur werde durch die Temperaturen und weitere Probleme wie Böschungsbrände oder Starkregen massiv beeinträchtigt, warnte der Konzern. Wer seine Reise im Fernverkehr nicht antreten möchte, kann deshalb kostenlos sein Ticket stornieren. Eine Pünktlichkeitsquote von 80 Prozent im Fernverkehr wird die DB laut ihrer Chefin Evelyn Palla erst 2035 erreichen.
"Der Deutsche Wetterdienst sagt für die kommenden Tage neue regionale Spitzenwerte von über 40 Grad voraus", erklärte die Bahn am Donnerstag. "Damit steigt die Belastung für Anlagen und Züge der Deutschen Bahn auf ein Maximum." Lokal kämen "Starkregengüsse und Gewitter mit Sturmböen" als Risiko für Signale, Gleise, Weichen und Oberleitungen hinzu.
Wer bis zum einschließlich 23. Juni ein Ticket für eine Reise bis 30. Juni gebucht hat, kann davon nun zurücktreten und bekommt sein Geld zurück. Es ist das erste Mal, dass die DB eine Hitze-Sonderkulanz anbietet - und sie rät allen, die auf ihre Fahrt verzichten können, von der Sonderregelung Gebrauch zu machen. Zugleich bietet die Bahn nicht wie in anderen Kulanzfällen an, die Reise zu verschieben. Wer später reisen will, muss stornieren und neu buchen.
In dieser Woche hatte die Deutsche Bahn bereits Negativ-Schlagzeilen geschrieben. In der Nacht zum Mittwoch legte eine IT-Panne den bundesweiten Zugverkehr lahm, mehrere Stunden lang fuhr kein Zug. Tausende Reisende saßen fest. Der Vorfall steht exemplarisch für die schwierige Lage des Staatskonzern, der mit einer starken Überalterung seiner Anlagen zu kämpfen hat.
Bahn-Chefin Palla, die im vergangenen Herbst ernannt wurde, um das Ruder herumzureißen, verordnete dem Konzern nun zunächst einmal mehr Realismus und schraubte die Ziele in Sachen Wachstum, Digitalisierung und Pünktlichkeit deutlich nach unten. "Wir verabschieden uns von unerreichbaren Versprechen", erklärte sie am Donnerstag zur Sitzung des Aufsichtsrats. "Wir setzen auf realistische Ziele und Fakten."
"Hauptsächlich wachstumsorientierte Ziele wie die Verdoppelung der Reisendenzahlen haben sich angesichts veränderter Rahmenbedingungen als nicht haltbar erwiesen", führte die Bahn aus. Die vollständige Digitalisierung der Schiene bis 2035 sei ebenfalls "nicht realistisch" und als Ziel für die Pünktlichkeit im Fernverkehr gibt der Konzern nun 80 Prozent erst in jenem Jahr aus.
Der DB-Aufsichtsrat ernannte am Donnerstag zudem den Volkswagen-Manager Michael Obrowski zum neuen Finanzvorstand. Der 57-jährige "erfahrene Finanzer" werde den Posten voraussichtlich zum 1. September übernehmen, erklärte der Konzern.
Der Posten ist seit Monaten vakant - Finanzvorständin Karin Dohm war im März ausgeschieden. Dohm hatte ihren Posten erst im Dezember 2025 angetreten, knapp drei Monate später forderte der Aufsichtsrat ihre Abberufung.
Obrowski führt seit 2021 die Finanz- und IT-Abteilung bei Volkswagen Nutzfahrzeuge. Zuvor leitete er fünf Jahre lang das Konzern-Controlling der Volkswagen AG, wie die DB mitteilte.
F.Müller--BTB