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Italienische Feministin und frühere EU-Kommissarin Emma Bonino ist tot
Sie galt als radikale Feministin und war eine der beliebtesten Politikerinnen ihres Landes - nun ist die Italienerin Emma Bonino im Alter von 78 Jahren gestorben. Das gab die von ihr gegründete Kleinpartei Mehr Europa am Freitag auf Facebook bekannt. Bonino kämpfte für das Recht auf Scheidung und Abtreibung und setzte sich zeitlebens für humanitäre Belange ein. Sie war Außenministerin und EU-Kommissarin. Italiens Regierungschefin Georgia Meloni und EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola würdigten die Verdienste Boninos.
"Heute verlieren wir nicht nur unsere Anführerin, sondern auch eine der weitsichtigsten, mutigsten und freiesten Persönlichkeiten in der politischen Geschichte unseres Landes", erklärte die Partei Mehr Europa.
Italiens ultrarechte Ministerpräsidentin Meloni würdigte Bonino mit den Worten: Auch wenn die Hintergründe und Sichtweisen unterschiedlich gewesen seien, "hat mich das nie daran gehindert, ihre Bedeutung und ihre Rolle im öffentlichen Leben unserer Nation anzuerkennen". Bonino hatte vor der Parlamentswahl im Jahr 2022, aus der Meloni als Siegerin hervorging, erklärt, sie stimme "mit keinem einzigen Wort, keinem einzigen Vorschlag" Melonis überein.
"Das Europa, für das sie gekämpft hat, wird sie vermissen", erklärte ihrerseits Metsola. Bonino habe "nie darauf gewartet, dass die Welt bereit ist. Sie hat sich immer dafür entschieden, voranzugehen und anderen den Weg zu weisen", betonte sie.
Bonino wurde 1948 in Bra im Nordwesten Italiens geboren. Nach dem Studium der Linguistik und Literatur an der Bocconi-Universität in Mailand trat sie der Radikalen Partei bei. Ihre politische Laufbahn verdankte sie eigenen Angaben zufolge einer falschen Diagnose ihres Gynäkologen: Obwohl der Arzt ihr versichert hatte, sie könne keine Kinder bekommen, wurde sie im Alter von 27 Jahren schwanger.
Eine Abtreibung zu organisieren war damals in Italien illegal, schwierig, teuer und zudem "so erniedrigend, dass ich mir sagte: Das soll nie wieder jemand erleben müssen", erklärte Bonino, die sich daraufhin zeitlebens für die Rechte der Frauen einsetzte.
1975 gründete sie das Zentrum für Information, Sterilisation und Abtreibung (CISA). 1976 wurde sie als Abgeordnete der Radikalen Partei ins Parlament gewählt.
Nach der Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in Italien im Jahr 1978 setzte sich Bonino für andere Anliegen ein - von der Legalisierung weicher Drogen bis hin zur Abschaffung der Atomkraft. Sie kämpfte gegen die Todesstrafe und den weltweiten Hunger.
Bonino wurde mehrfach ins Europäische Parlament gewählt und war von 1994 bis 1999 EU-Kommissarin für Verbraucherschutz. Von 2006 bis 2008 diente sie als Italiens Ministerin für Außenhandel und Europapolitik und von 2013 bis 2014 war sie Außenministerin.
2018 gründete Bonino die neue pro-europäische Partei Mehr Europa, die sich unter anderem für die Rechte von Migranten einsetzt. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits eine der bekanntesten Politikerinnen Italiens - dennoch verfehlte die Partei den Einzug ins Parlament.
2015 wurde bei Bonino ein aggressiver Lungenkrebs diagnostiziert – 2023 besiegte sie ihn. 2024 wurde sie wegen Atemproblemen ins Krankenhaus eingeliefert.
Während sie sich anschließend zu Hause erholte, bekam sie überraschend Besuch von Papst Franziskus. Beiden waren die Rechte von Migranten ein wichtiges Anliegen, das sie - bei allen anderen Differenzen - verband.
In einem Interview im Februar 2025 sagte Bonino, ihr Körper versage nach und nach. Die sei der Preis dafür, dass sie ihn jahrzehntelang "als politische Waffe" eingesetzt habe.
W.Lapointe--BTB