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Ausbleibende Gaslieferungen aus Russland sorgen für Unruhe an Europas Börsen
Die ausbleibenden Gaslieferungen aus Russland über die Pipeline Nord Stream 1 sorgen für Unruhe an den europäischen Börsen. Die Handelsplätze in Frankfurt am Main und Paris standen zwischenzeitlich über drei beziehungsweise zwei Prozent im Minus, auch London sackte ab. Der Eurokurs fiel auf ein Rekordtief. Schweden kündigte unterdessen an, mit Milliarden-Garantien für Energieunternehmen in nordischen und baltischen Ländern eine Finanzkrise verhindern zu wollen.
Die asiatischen Börsen schlossen am Montagabend (Ortszeit) nach einem turbulenten Tag unterschiedlich: Zunächst positive Impulse vom US-Arbeitsmarkt wurden später von Sorgen wegen des Energiekonflikts in Europa und der Corona-Lage in China abgelöst.
Der russische Gazprom-Konzern hatte die Gaslieferungen nach Deutschland durch Nord Stream in der vergangenen Woche auf unbestimmte Zeit unterbrochen. Der Lieferstopp, der am Mittwoch begann, war zunächst mit turnusgemäßen Wartungsarbeiten an einer Kompressorstation begründet worden und sollte bis Samstag dauern. Am Freitagabend erklärte Gazprom dann, es gebe ein Ölleck an einer Turbine.
Am Montag floss laut der Website des Europäischen Netzwerks für die Übertragungssysteme der Gasversorger (Entsog) weiterhin kein Gas durch die Leitung. Der Turbinen-Hersteller Siemens Energy bezeichnete die Einstellung des Pipelinebetriebs aus technischer Sicht als nicht nachvollziehbar. Westliche Politiker werfen Moskau vor, Gaslieferungen als "Waffe" zu missbrauchen.
Der Kreml machte wiederum den Westen und seine Sanktionspolitik für den Stopp der Gaslieferungen verantwortlich. Die Probleme seien "wegen der Sanktionen der westlichen Staaten aufgetreten, es gibt keinen anderen Grund dafür", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Moskau. Er weise daher jegliche Versuche des Westens, die Verantwortung dafür Moskau zu geben, "kategorisch zurück".
Die Krise belastete auch den Euro und schickte die europäische Gemeinschaftswährung auf ein neues Rekordtief gegenüber dem Dollar. Der Euro sank auf unter 0,99 Dollar - das war der niedrigste Stand seit rund 20 Jahren.
Die schwedische Regierungschefin Magdalena Andersson sprach am Wochenende von der Gefahr eines "Kriegswinters" und kündigte Hilfen für Energieunternehmen an, die als Folge des Ukraine-Kriegs in Bedrängnis geraten. Die Details müssten noch ausgearbeitet werden, dennoch sollte das Parlament in Stockholm die Maßnahme am Montag bereits beschließen.
"Russlands Energiekrieg hat ernsthafte Konsequenzen für Europa und schwedische Haushalte und Unternehmen", sagte Andersson. Dies gelte "insbesondere in Südschweden, das von den Strompreisen in Deutschland abhängig ist, die wiederum sehr abhängig von Gas sind". Sie warnte vor "ernsthaften Störungen in den nordischen Ländern und im Baltikum" und im schlimmsten Fall einer Finanzkrise.
A.Gasser--BTB