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Protest gegen die Blechlawine: Autobahn am Brenner ganztägig gesperrt
Wegen Protests von Anwohnern gegen die tägliche Blechlawine über die Alpen ist die österreichische Brennerautobahn am Samstag ganztägig gesperrt worden. Nach der Sperrung der normalerweise viel befahrenen A13 am Vormittag versammelten sich am Mittag zahlreiche Demonstrierende an der Strecke, wie ein AFP-Journalist beobachtete. Obwohl der Protesttag auf der wichtigsten Verkehrsverbindung nach Italien in die Pfingstferien mehrerer deutscher Bundesländer fiel, blieb das befürchtete Verkehrschaos zunächst aus.
"Es ist wirklich sehr, sehr wenig los, auch auf den Ausweichstrecken", hieß es am frühen Nachmittag vom Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring Club (ÖAMTC). Im Allgemeinen rolle der Verkehr, auch an der Grenze habe die Wartezeit höchstens eine Stunde betragen. Allerdings schloss der ÖAMTC einen zäheren Verkehr in der Nacht zum Sonntag oder am Sonntag tagsüber nicht aus, weil dann womöglich viele führen, die ihre Fahrt verschoben hatten.
Auch auf deutscher Seite gab es am Sonntag zunächst keine Staus wegen der Brenner-Sperrung, hieß es vom ADAC. Es scheine "alles ganz normal zu laufen", da die meisten Fahrerinnen und Fahrer sich offenbar auf die Situation eingestellt hätten und auf Fahrten durch die betroffene Region verzichteten.
ADAC-Sprecherin Miriam Melanie Köhler sagte AFP, ADAC-Staubeobachter auf Motorrädern hätten allerdings einige Lkw-Fahrer beobachtet, die "Diskussionen" mit Polizeibeamten geführt hätten, als sie am Samstagvormittag an der Anschlussstelle Kufstein Nord zurück nach Deutschland geschickt worden seien.
Da nun viele Lkw-Fahrer zusätzlich ihre Fahrzeuge in Deutschland abstellen müssten, behalte der ADAC im Blick, ob dies zur Überfüllung von Rastplätzen und zu Verkehrsbehinderungen führe, sagte Köhler. Für die Beobachtung der Verkehrslage hatte der ADAC auch ein Kleinflugzeug in der Region im Einsatz.
Die Brennerautobahn war um 09.00 Uhr für den Lkw-Verkehr und um 11.00 Uhr auch für alle übrigen Fahrzeuge gesperrt worden. Die Sperrung gilt bis 19.30 Uhr. Am Mittag zogen Demonstrierende zu der Autobahn. Auf ihren Transparenten standen Slogans wie "Schluss mit dem Transit-Kollaps - Güter auf die Schiene".
Wegen des Protests musste das Gebiet weiträumig umfahren werden. Die Brennerstraße B182, die Ellbögener Straße (L38) und die Stubaitalstraße (B183) durften am Samstag nur Fahrer nutzen, die in der Gegend zu tun hatten. Sie mussten dafür einen Nachweis erbringen wie etwa eine Buchungsbestätigung für ein Hotel in der Region oder einen Lieferschein.
Der ADAC und das Auswärtige Amt in Berlin hatten im Vorfeld vor Staus auf Ausweichstrecken bis in den Sonntag hinein gewarnt. "Ein Verkehrschaos zeichnet sich ab", hieß es am Freitag vom ADAC. "Es gibt keine Ausweichmöglichkeit", warnte das AA. Die Sperrung der wichtigsten Verkehrsverbindung nach Italien fiel in die Pfingstferien von Bayern, Baden-Württemberg sowie Sachsen-Anhalt.
Anlass der Sperrung der Brennerautobahn war eine Protestkundgebung gegen die Belastung der Anwohner durch den massiven Verkehr, die der Bürgermeister des Ortes Gries, Karl Mühlsteiger, als Privatperson angemeldet hatte. Mühlsteiger sagte AFP, es gehe bei dem Protest darum, "dass wir ein Zeichen setzen gegenüber Brüssel, gegenüber der Bundesregierung in Wien, dass es so mit dem stetig steigenden Verkehr bei uns nicht mehr weitergehen kann und nicht mehr weitergehen darf". Das massive Verkehrsaufkommen mit seinen Folgen sei "für die Bevölkerung nicht mehr schaffbar, nicht mehr aushaltbar", hob der Kommunalpolitiker hervor.
Laut dem österreichischen Mobilitätsverein VCÖ hatten im vergangenen Jahr mehr als 2,4 Millionen Lastwagen die Brennerautobahn genutzt. Auf den Transitrouten der benachbarten Schweiz seien es hingegen nur rund 860.000 Lkw gewesen.
Mühlsteiger wirbt daher dafür, die Lkw-Maut auf der Brennerautobahn auf das Schweizer Niveau anzuheben. In der Folge würde sich am Brenner "der Schwerverkehr halbieren, das wäre für uns schon eine sensationelle Errungenschaft", sagte er am Freitag dem Bayerischen Rundfunk.
F.Müller--BTB