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Ökonom Fratzscher fordert autofreie Sonntage und Tempolimit
Der Ökonom Marcel Fratzscher spricht sich mit Blick auf die Energiekrise infolge des Iran-Kriegs für autofreie Sonntage wie in den Siebzigerjahren aus. "Wir brauchen autofreie Sonntage und ein Tempolimit – auch jetzt schon, nicht erst, wenn es sich weiter zuspitzt", sagte Fratzscher dem Nachrichtenportal t-online laut Meldung von Sonntag. "Das klingt sehr kontrovers. Aber was viele nicht verstehen: Wir haben im Augenblick weltweit zehn bis fünfzehn Prozent weniger Öl und Gas."
Deshalb könne auch nur entsprechend weniger genutzt werden, fuhr der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) fort. "Es ist eine Frage der Verteilung: Wer schränkt sich stärker ein, wer weniger stark?", sagte Fratzscher. "Genau das ist die Perversität am Tankrabatt."
Fratzscher kritisierte die beschlossene Senkung der Mineralölsteuer scharf. "Durch den Tankrabatt reduzieren die Deutschen ihr Autofahren nicht ausreichend, obwohl das dringend nötig wäre", sagte der Ökonom. Der Verbrauch müsse dort reduziert werden, wo er "nicht absolut essenziell" sei.
"Dann komme ich wieder auf ein Tempolimit", so Fratzscher. "Für viele Deutsche ist das ein rotes Tuch. Doch es sind keine trivialen Summen an Treibstoff, die wir einsparen können." Der Tankrabatt mache jedoch "das komplette Gegenteil". Dadurch müssten andere mehr sparen. "In anderen Bereichen, etwa bei Lebensmitteln, werden die Preise durch den Tankrabatt stärker steigen."
Zugleich warnte der Ökonom vor weiter steigenden Spritpreisen. Zwar könnten die Preise wieder unter zwei Euro fallen, wenn der Krieg ende und Lieferwege wieder geöffnet würden. Es könne aber genauso gut weitere Engpässe geben. Spätestens mit dem nächsten Winter komme der Druck wieder. "Ein Dieselpreis in Richtung von drei Euro kann realistisch werden", sagte Fratzscher. "Auch wenn sich das heute kaum jemand vorstellen mag."
Warnungen vor einer Kerosinknappheit nimmt Fratzscher nach eigenen Worten "sehr ernst". Man solle zwar "keine Panik schieben", sagte der Ökonom. Dennoch könne "in den nächsten Wochen und Monaten eine Menge passieren", so der DIW-Chef. "Wir können nicht ausschließen, dass es zu Knappheiten kommt." Im Notfall hätten Fluggesellschaften "keine Alternative", als gewisse Flüge zu streichen. "Möglich wäre auch, dass der Staat alle innerdeutschen Flüge streicht."
Der Iran-Krieg hatte am 28. Februar mit Luftangriffen der USA und Israels begonnen. Der Iran reagierte mit Angriffen auf Israel, mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region. Derzeit gilt zwar eine Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran, ob erneut Gespräche der beiden Länder über eine Beendigung des Konflikts zustande kommen, ist jedoch ungewiss.
Das iranische Militär hat die Straße von Hormus, durch die normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Öltransports verläuft, weitgehend gesperrt. Weltweit sind die Öl- und Gaspreise dadurch in die Höhe geschnellt.
L.Janezki--BTB