Berliner Tageblatt - Mehr als 90 Tote bei Überschwemmungen in Nepal - Hunderte Touristen vermisst

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Mehr als 90 Tote bei Überschwemmungen in Nepal - Hunderte Touristen vermisst
Mehr als 90 Tote bei Überschwemmungen in Nepal - Hunderte Touristen vermisst / Foto: © AFP/Archiv

Mehr als 90 Tote bei Überschwemmungen in Nepal - Hunderte Touristen vermisst

Bei verheerenden Überschwemmungen in Nepal sind mehr als 90 Menschen getötet worden, hunderte Touristen werden zudem vermisst. Bislang seien 95 Tote geborgen worden, sagte Polizeisprecher Abi Narayan Kafle am Mittwoch. Die Tourismusbehörde sprach von 403 vermissten Touristen, darunter 341 Ausländer. Dem Auswärtigen Amt in Berlin lagen zunächst keine Erkenntnisse über betroffene Deutsche vor. Chinesische Staatsmedien berichteten über einen Erdrutsch im chinesisch-nepalesischen Grenzgebiet mit mindestens drei Toten.

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Unter den vermissten Touristen seien Menschen aus den USA, Indien, Malaysia und Großbritannien sowie 62 nepalesische Reisende, teilte die Tourismusbehörde mit. Auch zu zahlreichen Polizisten war nach Angaben von Polizeisprecher Kafle zunächst der Kontakt abgerissen. Die Such- und Rettungsarbeiten liefen auf Hochtouren.

Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin verlautete gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, es habe derzeit "keine Kenntnis von deutschen Staatsangehörigen unter den Betroffenen". Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Kathmandu stünden mit den örtlichen Behörden "im engen Kontakt". Das Ausmaß der Überschwemmungen sei schwer abzuschätzen, die Lage in Nepal "noch unübersichtlich". Es sei jedoch "mit sehr vielen Todesopfern zu rechnen".

Der nepalesische Regierungschef Balendra Shah rief die Bevölkerung zum Zusammenhalt auf. "Bitte haben Sie Geduld. Die Regierung übernimmt die volle Verantwortung für Ihre Rettung, Behandlung, Verpflegung und Unterkunft", erklärte Shah in Onlinenetzwerken. "In Zeiten einer solchen Katastrophe müssen wir alle zusammenstehen."

Die nepalesische Armee setzte Hubschrauber und Rettungstrupps in der Katastrophenregion ein. Mehrere Fernstraßen waren blockiert. Zudem wurden Wasserkraft- und Solaranlagen beschädigt. Videoaufnahmen zeigten Wassermassen, die Häuser mit sich rissen, sowie Gebäude, die im Schlamm versunken waren.

Die genaue Ursache der Überschwemmung war zunächst unklar. Nepals Außenminister Shishir Khanal sagte jedoch, wahrscheinlich habe ein Erdbeben einen Erdrutsch ausgelöst, der dann einen Fluss blockiert habe. Das habe dann eine Sturzflut verursacht. Laut der nationalen Katastrophenschutzbehörde wiesen Satellitendaten darauf hin, dass ein Erdrutsch an der nepalesisch-chinesischen Grenze die Überschwemmung ausgelöst habe.

"Ich habe gesehen, wie die Fluten acht oder neun Lastwagen mit sich rissen, außerdem Häuser und Menschen", berichtete der Lehrer Suman Chalise aus dem Bezirk Nuwakot. "Es war absolut entsetzlich. So eine Zerstörung habe ich noch nie gesehen."

Der 56-jährige Raju Bhadel berichtete, das Haus der Familie seines Schwagers sei vollständig weggespült worden. Drei Angehörige hätten gerettet werden können, ein weiterer werde noch vermisst.

Auch auf der chinesischen Seite der Grenze kam es zu schweren Unwetterschäden. Das chinesische Staatsfernsehen meldete einen Erdrutsch in Tibet am Grenzübergang Gyirong. Laut Berichten von Staatsmedien wurden dabei mindestens drei Menschen getötet, 265 weitere wurden demnach vermisst. Der Staatssender CCTV zeigte Bilder von Wassermassen, die Äste und Trümmerteile mit sich rissen.

Chinas Staatschef Xi Jinping ordnete an, alle verfügbaren Kräfte und Mittel für die Rettungsarbeiten einzusetzen. Die "dringlichste Aufgabe" sei es, "alles Erdenkliche zu tun, um die Vermissten zu suchen und zu retten, die Verletzten schnell zu behandeln und die Opferzahl so gering wie möglich zu halten".

Die Hochwassergefahr war nach Einschätzung eines Experten noch nicht gebannt. Angesichts eines blockierten Wasserlaufs zwischen Nepal und China "könnte eine zweite Flut auftreten", sagte Qianggong Zhang, Leiter der Abteilung Klima- und Umweltrisiken des International Centre for Integrated Mountain Development (Icimod), AFP.

B.Shevchenko--BTB