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Norwegen trauert um langjährigen Monarchen Harald V. - Sohn Haakon ist neuer König
Die Norweger trauern um ihren langjährigen Monarchen: Nach mehr als dreieinhalb Jahrzehnten auf dem Thron ist König Harald V. am Freitag im Alter von 89 Jahren gestorben. Haralds Sohn trat als Haakon VIII. dessen Nachfolge an, seine Frau Mette-Marit ist die neue Königin des Landes. Der Tod des dienstältesten Monarchen Europas löste international große Anteilnahme aus. Vor dem Palast in Oslo versammelten sich tausende Menschen, um Harald V. die letzte Ehre zu erweisen.
"Mit tiefer Trauer geben wir bekannt, dass Seine Majestät König Harald uns heute verlassen hat", teilte das Königshaus mit. "König Harald ist am Freitag, dem 28. August, um 06.35 Uhr im Nationalkrankenhaus friedlich entschlafen."
Am Donnerstag hatte das Königshaus mitgeteilt, dass Harald V. sich in einem "extrem ernsten Zustand" befinde. Seine Familie versammelte sich an seinem Krankenbett. Der an einer Form von Blutarmut leidende Monarch war am Montag vergangener Woche in die Universitätsklinik Rikshospitalet in der Hauptstadt Oslo eingewiesen worden.
Der neue König Haakon VIII. informierte das norwegische Kabinett am Freitag im Königspalast formell über den Tod seines Vaters. Er dankte der Regierung und den norwegischen Bürgern "für ihre Unterstützung und ihr Mitgefühl für die königliche Familie in dieser Zeit".
Ministerpräsident Jonas Gahr Störe sagte, eine Ära sei zu Ende gegangen und eine neue beginne: "Der König ist tot. Lang lebe der König." König Harald werde den Norwegern in Erinnerung bleiben wegen "seiner Liebe zu seinem Volk, seines Humors und seiner Herzlichkeit". Der langjährige Monarch habe Norwegen in den vergangenen Jahrzehnten durch Zeiten großer Veränderungen begleitet, in denen das Land "reicher" und "vielfältiger" geworden sei, sagte Störe.
Im ganzen Land läuteten am Freitagmittag die Kirchenglocken. Die Regierung rief Staatstrauer bis zur Beisetzung von Harald V. aus. Tausende Menschen kamen zum Königspalast im Zentrum von Oslo und legten Blumen nieder. "Natürlich ist es traurig. Er ist ein Symbol unseres Landes", sagte die 36-Jährige Maja Otvik. "Und natürlich ist es traurig, wenn etwas so Schönes zu Ende geht." Die 65-jährige Vigdis Haug sagte, sie habe Haralds Fähigkeit geschätzt, Menschen zu vereinen.
Viele Trauernde erinnerten an Haralds Rede nach den Anschlägen des Rechtsextremen Anders Behring Breivik im Sommer 2011, bei denen 77 Menschen getötet wurden. "Ich bleibe bei meiner Überzeugung, dass die Freiheit stärker ist als die Angst", sagte der König damals.
Auch international löste Haralds Tod große Anteilnahme aus. Der Monarch sei "ein herausragender Vertreter seines Landes" gewesen, erklärte Schwedens König Carl XVI. Gustaf. Der dänische König Frederik X. bezeichnete den verstorbenen Monarchen als "außergewöhnlichen Mann", der "Pflicht und Verantwortung mit Präsenz und Mitgefühl verband".
Der britische König Charles III. trauerte um seinen "lieben Cousin" Harald V. und würdigte dessen "herausragende Persönlichkeit". Harald V. habe sein Land mit "Herzlichkeit und Bescheidenheit" geführt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußerte "tiefe Trauer". "Norwegen verliert eine große Persönlichkeit, die für Besonnenheit und Einheit stand", erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
Harald V. war seit 1991 König von Norwegen und seit dem Tod von Queen Elizabeth II. der älteste lebende Monarch Europas. In den vergangenen Jahren hatte er mit zahlreichen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Eine Abdankung schloss er jedoch aus: Harald V. verwies darauf, dass er vor dem norwegischen Parlament einen Eid auf Lebenszeit geleistet habe.
Haralds Sohn und Nachfolger Haakon VIII. will den Wahlspruch "Alles für Norwegen" beibehalten, den schon sein Vater, sein Großvater und sein Urgroßvater gewählt hatten. Neue Königin ist Haakons Frau, die bisherige Kronprinzessin Mette-Marit. Die 22-jährige Tochter des Paares, Ingrid Alexandra, ist die neue Kronprinzessin.
Der Leichnam des verstorbenen Königs sollte am Freitagabend im Beisein von dessen Frau Sonja, dem neuen Königspaar und weiteren Familienmitgliedern vom Krankenhaus zum Königspalast überführt werden, wie der Palast mitteilte. Er wird dann in der Schlosskapelle aufgebahrt, damit die Norweger sich vom König verabschieden können.
Die norwegische Königsfamilie hatte in den vergangenen Monaten turbulente Zeiten durchgemacht. Mette-Marit geriet wegen ihrer Freundschaft mit dem verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und des Vergewaltigungsprozesses gegen ihren Sohn Marius Borg Hoiby in die Negativ-Schlagzeilen. Der 29-Jährige, der aus einer früheren Beziehung der Kronprinzessin stammt, war im Juni wegen zwei Vergewaltigungen und zahlreicher weiterer Straftaten zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden, die er zurzeit im Hausarrest verbüßt.
Mette-Marit selbst war erst Mitte Juli nach einer Lungentransplantation aus dem Krankenhaus entlassen worden. Bei ihr war 2018 eine schwere Lungenkrankheit diagnostiziert worden. Schließlich musste ihr eine Spenderlunge transplantiert werden, ohne die sie nach Einschätzung der Ärzte nur noch ein Jahr zu leben gehabt hätte. Trotz der Skandale um sie und ihren Sohn ist die Königsfamilie im Land weiterhin sehr beliebt.
B.Shevchenko--BTB