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Malta: Empörung über Freispruch im Caruana-Galizia-Prozess hält an
In Malta sorgt der Freispruch eines Geschäftsmanns im Prozess um den Mord an der Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia weiter für Empörung. Hunderte Menschen demonstrierten am Mittwochabend gegen das Urteil, internationale Organisationen für Pressefreiheit reagierten scharf. Regierungschef Robert Abela mahnte am Donnerstag zu "Besonnenheit und Vorsicht" und verwies auf laufende Ermittlungen sowie eine mögliche Berufung.
Der Sohn der Journalistin, Matthew Caruana Galizia, bezeichnete die Entscheidung der Geschworenen als "obszön" und "das pure Böse". Es sei, als hätten sie eine Bombe gezündet, "um meine Mutter noch einmal in die Luft zu sprengen", schrieb er auf Facebook.
Der Angeklagte Yorgen Fenech war am Mittwoch vom Vorwurf freigesprochen worden, den Mord an Caruana Galizia in Auftrag gegeben zu haben, die für ihre Enthüllungsartikel über Korruption bis in die höchsten Kreise in Malta bekannt war. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, er habe die Journalistin töten lassen, weil sie kurz davor gewesen sei, einen kompromittierenden Artikel über seinen Onkel zu veröffentlichen. Fenech wies die Vorwürfe zurück.
Bereits am Mittwochabend hatten Hunderte Menschen in Valletta gegen den Freispruch demonstriert. Die oppositionelle Nationalist Party hatte zu der Kundgebung aufgerufen. Stunden zuvor hatte Fenech den Gerichtssaal unter "Mörder"-Rufen von Demonstranten als freier Mann verlassen.
"Wir sollten bei unseren Äußerungen Mitgefühl, Besonnenheit und Vorsicht zeigen", sagte Abela am Donnerstag vor Journalisten. Zwei getrennte Ermittlungen zu dem Mord aus dem Jahr 2017 liefen weiter. Zudem könne die Staatsanwaltschaft gegen den Freispruch Berufung einlegen.
Das maltesische Parlament wird am Freitag auf Antrag des Vorsitzenden der oppositionellen konservativen Nationalist Party, Alex Borg, in einer Sondersitzung über den Fall beraten.
Auch Organisationen für Pressefreiheit äußerten sich empört. Reporter ohne Grenzen erklärte, der Freispruch bedeute, dass es den maltesischen Behörden fast neun Jahre nach dem Mord weiterhin nicht gelungen sei, einen Auftraggeber zu identifizieren und zu verurteilen. Das Europäische Zentrum für Presse- und Medienfreiheit sprach von einem "beunruhigenden Signal".
EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola aus Malta wandte sich auf Facebook direkt an die ermordete Journalistin. "Wir werden nicht aufgeben und wir werden nicht nachgeben", schrieb die Politikerin der Nationalist Party.
Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 durch eine Autobombe getötet worden. Die 53-Jährige hatte regelmäßig über Korruption, Geldwäsche und andere Missstände in Malta berichtet. In dem Mordfall wurden bereits fünf Menschen verurteilt. Drei Männer, die den Mord verübten, befinden sich in Haft. Zwei weitere wurden im Juni 2025 zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, weil sie den Sprengstoff beschafft hatten.
Der Mord hatte in Malta zu massiven Protesten gegen den damaligen Regierungschef Joseph Muscat geführt. Ihm wurde vorgeworfen, bei den Ermittlungen Freunde und Verbündete schützen zu wollen. Muscat trat im Januar 2020 zurück. Eine 2021 veröffentlichte Untersuchung kam zu dem Schluss, dass die Regierung ein "Klima der Straflosigkeit" für diejenigen geschaffen habe, die Caruana Galizia zum Schweigen bringen wollten.
D.Schneider--BTB