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Starmer: Britischer Gesundheitsdienst NHS braucht "große Operationen"
Der britische Premierminister Keir Starmer hat zwei Monate nach seiner Wahl eine umfassende Reform des maroden staatlichen Gesundheitsdienstes NHS angekündigt. Der NHS müsse reformiert werden oder er werde "sterben", warnte Starmer am Donnerstag in einer Rede in London. Es werde die "größte Umgestaltung" des NHS seit seiner Gründung vor 76 Jahren. Ein Untersuchungsbericht war zuvor zu dem Schluss gekommen, dass sich der NHS in einem "kritischen Zustand" befindet.
Der Autor des 142 Seiten umfassenden Berichts, der Oberhausabgeordnete Ara Darzi, befand, der NHS sei unter anderem aufgrund mangelnder Investitionen und der Corona-Pandemie in einen Zustand der "Verwahrlosung" geraten. Parallel habe sich in den vergangenen 15 Jahren auch der Gesundheitszustand der Briten verschlechtert.
"Was wir brauchen, ist der Mut, langfristige Reformen anzugehen - große Operationen, keine Lösungen, die nur aus dem Aufkleben von Pflastern bestehen", sagte Starmer. "Der NHS steht an einem Scheideweg und wir haben die Wahl, wie er den wachsenden Anforderungen gerecht werden soll."
Eine Möglichkeit sei, die Steuern für die arbeitende Bevölkerung zu erhöhen, "um die immer höheren Kosten der alternden Bevölkerung zu decken". Die andere Möglichkeit sei, den NHS zu reformieren, "um ihre Zukunft zu sichern", sagte Starmer. "Wir wissen, dass die arbeitende Bevölkerung es sich nicht leisten kann, mehr zu zahlen. Also heißt es: reformieren oder sterben."
Der Premierminister nannte drei Reformbereiche, die über zehn Jahre hinweg den NHS retten könnten: Die komplette Digitalisierung des NHS, die Verlagerung eines größeren Teils der Gesundheitsversorgung aus den Krankenhäusern in die Gemeinden sowie eine "mutigere" Verlagerung des Schwerpunkts von Krankheit auf Prävention.
Starmers Labour-Partei hatte die Unterhauswahl im Juli haushoch gewonnen und die konservativen Tories nach 14 Jahren an der Regierung abgelöst. Die Mängel beim staatlichen Gesundheitsdienst NHS, bei dem Patienten oft Monate auf Arzttermine oder eine Operation warten müssen, hatten im Wahlkampf eine wichtige Rolle gespielt.
Starmer nannte die 2010er Jahre ein "verlorenes Jahrzehnt für unseren NHS", in dem die Konservativen den Gesundheitsdienst "unfähig" gemacht hätten, "für die Patienten da zu sein".
Darzis Bericht zufolge gibt es immer mehr Patienten mit chronischen Krankheiten wie Diabetes und erhöhtem Blutdruck. Demnach hat das Vereinigte Königreich höhere Krebsraten als andere Länder und ist auch in der Krebsbehandlung zurückgefallen. Er sei von den Erkenntnissen "geschockt" gewesen, teilte Darzi mit.
Starmer, dessen Mutter als Krankenpflegerin für den NHS gearbeitet hat, hat einen Großteil seiner ersten zwei Monate als Regierungschef darauf verwendet, den Tories das düstere Erbe vorzuhalten, das diese aus seiner Sicht in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Strafvollzug hinterlassen haben. Die Konservativen werfen dem Labour-Chef hingegen vor, die Probleme des Landes zu übertreiben, um die Grundlage für Steuererhöhungen zu legen.
L.Dubois--BTB