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Israel bombardiert nach iranischen Raketenangriffen Ziele in Teheran
Israel und der Iran haben sich die dritte Nacht in Folge mit gegenseitigen Angriffen überzogen. Der Iran meldete am Sonntagmorgen neue Raketenangriffe auf Israel, während die israelische Armee Ziele in der iranischen Hauptstadt Teheran bombardierte. Dabei griff sie nach eigenen Angaben das Verteidigungsministerium und Einrichtungen an, die mit dem iranischen "Atomwaffenprojekt" in Verbindung stünden. Nach iranischen Angaben wurden zudem zwei Öldepots getroffen.
Der Iran aktivierte am Samstagabend seine Luftabwehr in neun Provinzen, darunter Teheran. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte zuvor angekündigt, "jedes Ziel des Regimes" im Iran anzugreifen. In Teheran waren am Sonntagmorgen mehrere Explosionen zu hören, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Gegen 02.30 Uhr (Ortszeit) gab es demnach eine Reihe von Detonationen.
Die israelische Armee bombardierte bei den Angriffen am Sonntagmorgen nach eigenen Angaben das Verteidigungsministerium in Teheran und weitere Ziele, "die mit dem Atomwaffenprojekt des iranischen Regimes in Verbindung stehen", darunter das Hauptquartier der iranischen Militär-Forschungsorganisation SPND.
Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim hatte zuvor gemeldet, dass bei einem israelischen Angriff eines der Gebäude des Verteidigungsministeriums "leicht beschädigt" worden sei. Das iranische Ölministeriums teilte zudem mit, dass bei israelischen Angriffen zwei Öldepots getroffen worden seien. Es handelt sich demnach um eine Anlage in Schahran nordwestlich von Teheran und eine weitere südlich der Hauptstadt. Wie ein AFP-Journalist berichtete, stand das Depot in Schahran in Flammen.
Im Laufe des Samstags hatte Israel außerdem Luftabwehrsysteme in der Region Teheran und dutzende Raketenabschussrampen bombardiert. Die israelische Armee erklärte, sie verfüge nun über Lufthoheit bis nach Teheran. Die iranische Hauptstadt sei "nicht länger geschützt", sagte der israelische Armeesprecher Effie Defrin. Verteidigungsminister Israel Katz drohte, Teheran werde "brennen", falls der Iran weitere Raketen auf Israel abschieße.
Ungeachtet dessen setzte der Iran seine Angriffe auf Israel fort. Nach einem neuen Raketenangriff am Samstagabend schrillten in mehreren Regionen Israels die Alarmsirenen. Nahe der nordisraelischen Stadt Haifa wurde eine Frau tot aus den Trümmern eines zerstörten Gebäudes geborgen, wie der Rettungsdiensts Magen David Adom mitteilte. In der Region um Tel Aviv waren nach Angaben von Rettungskräften am Samstag drei Menschen getötet worden.
Am Sonntagmorgen meldete das iranische Staatsfernsehen eine weitere Angriffswelle gegen Israel. Wie AFP-Journalisten berichteten, waren in Jerusalem und Tel Aviv Explosionen zu hören, in beiden Städten ertönte Luftalarm. Die israelische Armee schrieb im Onlinedienst X, dass Millionen von Israelis in zahlreichen Städten in Schutzräume eilten.
Der iranische Präsident Mahmud Pesechkian hatte zuvor mit einer "schwerwiegenderen und kraftvolleren Antwort" gedroht, sollte Israel seine Angriffe im Iran fortsetzen.
US-Präsident Donald Trump betonte nach einem Telefonat mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin, dass der "Krieg" zwischen Israel und dem Iran enden müsse. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) rief bei einem Besuch in Saudi-Arabien ebenfalls zur Deeskalation auf. Die Situation in der Region sei weiter "hochgradig volatil", sagte er.
Der Konflikt zwischen den Erzfeinden Israel und Iran war am Freitagmorgen eskaliert, als Israel einen beispiellosen Großangriff auf militärische Ziele im Iran startete. Dabei wurden unter anderen die Chefs der iranischen Armee und der mächtigen Revolutionsgarden sowie nahezu die gesamte Führungsspitze der Luftwaffe der Revolutionsgarden getötet. Insgesamt wurden nach Angaben der israelischen Armee mehr als 20 "Kommandeure des Sicherheitsapparats des iranischen Regimes eliminiert".
Zudem wurden die Atomanlagen in Natans, Fordo und Isfahan nach Angaben der iranischen Atomenergiebehörde beschädigt. Der Iran bestätigte den Tod von neun Atomwissenschaftlern.
Iranische Nachrichtenagenturen meldeten am Samstag mehrere Tote, unter ihnen fünf Mitglieder der Revolutionsgarden. Aus der Provinz Ost-Aserbaidschan meldete die Nachrichtenagentur Isna 30 tote Militärangehörige sowie dutzende Verletzte. Nach Angaben des iranischen Botschafters bei der UNO, Amir Irawani, waren in der ersten israelischen Angriffswelle auf den Iran am Freitag 78 Menschen getötet und 320 weitere verletzt worden.
Netanjahu betonte am Samstag, Israel habe dem Atomprogramm des Iran einen "veritablen Schlag" versetzt. Israel begründet seinen "Präventivangriff" mit dem weit fortgeschrittenen iranischen Atomprogramm. Geheimdienstinformationen hätten Beweise dafür geliefert, dass Teheran inzwischen "Uran auf militärisches Niveau anreichern" und "innerhalb kurzer Zeit eine Atomwaffe" bauen könne.
Westliche Staaten werfen dem Iran seit Jahren vor, nach Atomwaffen zu streben. Teheran bestreitet die Vorwürfe. Laut einem Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) hat der Iran seinen Bestand von auf 60 Prozent angereichertem Uran in den vergangenen Monaten stark erhöht. Für den Bau von Atomwaffen wird ein Anreicherungsgrad von etwa 90 Prozent benötigt.
Washington und Teheran hatten seit April über eine neue Vereinbarung verhandelt, welche das durch Trump 2018 während seiner ersten Amtszeit aufgekündigte internationale Atomabkommen mit dem Iran ersetzen soll. Die bisherigen fünf Treffen blieben ohne Ergebnis.
Für Sonntag war eine Fortsetzung der Verhandlungen geplant. Angesichts der militärischen Eskalation sagte der Oman als Gastgeber der Gespräche diese aber ab. Teheran hatte zuvor erklärt, bis zum "Ende der Aggression des zionistischen Regimes" sei eine Teilnahme des Iran an den Gesprächen "sinnlos".
Die USA hätten nach Angaben aus Regierungskreisen dagegen gerne an dem Treffen festgehalten. "Wir hoffen weiterhin auf Gespräche", hatte ein US-Regierungsvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte, vor der Absage der Nachrichtenagentur AFP gesagt.
O.Bulka--BTB