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"Größter Angriff" seit Kriegsbeginn: Israel setzt Attacken gegen Hisbollah im Libanon fort
Ungeachtet der Iran-Waffenruhe hat Israel nach Armeeangaben am Mittwoch im Libanon den "größten koordinierten Angriff" auf die Hisbollah-Miliz seit Kriegsbeginn geflogen. Angegriffen wurden demnach Ortschaften im Süden des Libanon und südliche Vororte der Hauptstadt Beirut, das libanesische Gesundheitsministerium schrieb von Dutzenden Toten. Libanons Präsident Joseph Aoun erklärte sich unterdessen bereit, einem Abkommen über eine dauerhafte Friedensordnung in der Region beizutreten. Die Bundesregierung rief Israel zur Mäßigung auf.
Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur Ani meldete am Mittwoch zunächst mehrere israelische Angriffe auf den Süden des Landes. Ins Visier genommen wurde demnach unter anderem ein Wohngebäude in der Region um die Küstenstadt Tyros.
Später berichteten staatliche libanesische Medien über israelische Angriffe auf mehrere Viertel von Beirut. Auf Aufnahmen von AFPTV waren Rauchschwaden über der Stadt und mehreren Vororten zu sehen, AFP-Journalisten berichteten von panischen Reaktionen der Menschen vor Ort. Laut dem libanesischen Gesundheitsministerium brach in der Hauptstadt infolge der Angriffe ein Verkehrschaos aus. Anwohner wurden aufgerufen, Rettungsfahrzeugen Vorfahrt zu gewähren.
Die israelische Armee hatte zuvor Evakuierungsaufforderungen veröffentlicht. Der für die Kommunikation auf Arabisch zuständige Sprecher der Streitkräfte, Avichay Adraee, forderte die Anwohner der Beiruter Vororte Haret Hreik, Burdsch al-Baradschneh und Ghobeirj sowie des Viertels Schabriha in der südlichen Küstenstadt Tyros auf, ihre Wohnungen zu verlassen.
Später schrieben die israelischen Streitkräfte von Angriffen auf rund 100 Hisbollah-Stellungen. Es handle ich um den bislang "größten koordinierten Angriff" auf die vom Iran finanzierte Miliz seit Beginn des Kriegs gegen die Führung in Teheran. Am Mittwoch seien "Kommandozentren und militärische Einrichtungen" in Beirut, der ostlibanesischen Bekaa-Ebene und im Südlibanon getroffen worden. Dort liegen die Hochburgen der Hisbollah.
Die islamistische Miliz, die nach der Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei Israel anzugreifen begonnen hatte, meldete zunächst keine weiteren Angriffe. Die aus ihren Hochburgen vertriebenen Bewohner rief die Hisbollah auf, solange nicht in ihre Wohnorte zurückzukehren, bis "die offizielle und endgültige Waffenruhe-Erklärung im Libanon veröffentlicht worden ist".
Zugleich äußerte sich die Miliz siegesgewiss. "Heute stehen wir an der Schwelle eines großen und historischen Sieges", hieß es in ihrer Erklärung weiter.
Die israelische Armee und die israelische Regierung verdeutlichten, dass sich die zwischen den USA und dem Iran vereinbarte Feuerpause aus ihrer Sicht nicht auf den Libanon erstreckt. "Der Kampf im Libanon geht weiter", teilte ein Armeesprecher im Onlinedienst X mit. Zuvor hatte bereits das Büro von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu mitgeteilt, Israel unterstütze zwar die Feuerpause im Iran, diese umfasse jedoch "nicht den Libanon". Der Vermittler Pakistan hatte hingegen erklärt, die Feuerpause gelte für den gesamten Nahen Osten einschließlich des Libanon.
Der Iran-Krieg hatte am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels auf die Islamische Republik begonnen. Anfang März weitete er sich auf den Libanon aus. Damals feuerte die Hisbollah-Miliz als Reaktion auf die Tötung Chameneis Raketen auf das Nachbarland ab. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen über die Grenze. In der Nacht zum Mittwoch gaben dann zunächst US-Präsident Donald Trump und später die iranische Führung eine zunächst auf zwei Wochen begrenzte Feuerpause bekannt.
Angesichts der Iran-Vereinbarung äußerte sich Libanons Präsident Joseph Aoun zuversichtlich über eine friedliche Zukunft in der Region. Seine Regierung arbeite "weiterhin darauf hin, dass der regionale Frieden den Libanon stabil und dauerhaft mit einschließt".
Die libanesische Regierung hatte im vergangenen Jahr ihre Gangart gegenüber der Hisbollah verschärft - und unter anderem eine Entwaffnung der Miliz bis zum Jahresende zugesagt. Nach Darstellung der israelischen Regierung reichen diese Anstrengungen jedoch nicht aus, um die Sicherheit Israels zu gewährleisten.
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) rief seinen israelischen Kollegen Gideon Saar laut einem Sprecher dazu auf, sich im Libanon "auf die notwendige Selbstverteidigung gegen Hisbollah" zu beschränken. Es müsse nun darum gehen, "einen dauerhaften Friedensprozess zu beginnen".
Weitere europäische Staaten äußerten den Wunsch, die Feuerpause auch auf den Libanon auszudehnen. "Es ist unser Wunsch, dass die Waffenruhe den Libanon vollständig umfasst", erklärte der französische Präsident Emmanuel Macron.
S.Keller--BTB