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Neue US-Angriffe und Trump-Drohungen - Teheran: Straße von Hormus "komplett" geschlossen
Die Waffenruhe im Iran wird immer brüchiger: Nachdem sich beide Seiten in der Nacht zum Donnerstag erneut angegriffen haben, drohte US-Präsident Donald Trump einem Fernsehbericht zufolge Teheran in martialischen Worten mit weiteren heftigen Bombardierungen. Die Führung in Teheran erklärte derweil die "komplette" Schließung der Straße von Hormus, dem widersprach die US-Armee.
Die USA hätten den Iran mit 49 Tomahawk-Marschflugkörpern angegriffen, sagte Trump nach Angaben eines Reporters des Fernsehsenders Fox News. Einige der ins Visier genommenen Ziele lagen demnach nur rund 60 Kilometer von Teheran entfernt.
Für den Fall, dass der Iran den US-Bedingungen für ein Ende des Krieges nicht nachkomme, "werden wir morgen Nacht den Sch... aus ihnen bomben", drohte Trump dem Fox-News-Reporter zufolge in einem Gespräch. Zuvor hatte er im Weißen Haus schon erklärt: "Wir standen kurz vor einem Abkommen, aber sie halten uns hin, sie halten uns weiterhin zum Narren."
Das für die Golfregion zuständige US-Regionalkommando Centcom bezeichnete die nächtlichen Einsätze als "Selbstverteidigung". Es handele sich um "eine Reaktion auf die ungerechtfertigte und anhaltende Aggression des Iran".
Nach einigen Stunden verkündete Centcom dann das Ende der Angriffe. Diese hätten Zielen gegolten, "die eine Bedrohung für US-Streitkräfte und internationale Handelsschiffe in den Gewässern der Region darstellten", hieß es. Iranische Medien berichteten von Explosionen im Süden des Landes in der Nähe der Straße von Hormus.
Als Reaktion griffen die iranischen Revolutionsgarden nach eigenen Angaben US-Stützpunkte in Bahrain und Kuwait an. "Während zweier Angriffswellen wurden achtzehn wichtige Ziele der US-Armee angegriffen", hieß es in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur Irna verbreiteten Erklärung. Die beiden angegriffenen Länder aktivierten nach Armeeangaben die Luftabwehr. Kuwait schloss am Morgen vorerst seinen Luftraum. Ankommende Flüge würden zu anderen Airports umgeleitet, erklärte die Luftfahrtbehörde.
Später meldeten die Revolutionsgarde auch noch einen Raketenangriff auf ein US-Kommandozentrum in Jordanien. Zudem verkündeten sie, dass die Straße von Hormus wegen der neuen US-Angriffe nun "komplett" geschlossen sei. "Jeglicher Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wird angegriffen", drohten die Revolutionsgarden laut iranischen Medienberichten. Die für den weltweiten Schiffsverkehr wichtige Wasserstraße sei "komplett und für alle Schiffstypen geschlossen". Zwei Schiffe seien bereits angegriffen worden, weil sie die Meerenge passieren wollten.
Die US-Streitkräfte wiesen die Angaben aus dem Iran zurück, diese seien "falsch". Die Wahrheit sei vielmehr: "Handelsschiffe fahren heute Nacht weiter in die Straße von Hormus hinein und aus ihr heraus", erklärte Centcom im Onlinedienst X.
Es war bereits die zweite Nacht in Folge mit gegenseitigen Angriffen. Nach dem Abschuss eines ihrer Hubschrauber hatte die US-Armee in der Nacht zum Mittwoch Vergeltungsangriffe auf den Iran geflogen. Auch danach attackierten die Revolutionsgarden im Gegenzug nach eigenen Angaben US-Stützpunkte in der Golfregion.
Die USA und Israel hatten am 28. Februar mit Luftangriffen den Iran-Krieg begonnen. Teheran reagierte darauf mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region. Zudem begann der Iran eine De-Facto-Blockade der Straße von Hormus. Der Konflikt hat die Öl- und Spritpreise in aller Welt in die Höhe schießen lassen.
Die Straße von Hormus spielt dabei eine entscheidende Rolle: Durch die Meerenge wird normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten gehandelten Erdöls und Flüssigerdgas (LNG) transportiert wird. Nach den neuen gegenseitigen Angriffen in der Nacht zum Donnerstag und der Erklärung des Irans zur Straße von Hormus stiegen die Ölpreise erneut.
Seit dem 8. April gilt in dem Krieg offiziell eine Waffenruhe. Diplomatische Bemühungen zur dauerhaften Beilegung der Kämpfe führten bisher zu keiner Einigung.
Deutschland und 21 weitere Staaten forderten den Iran am Donnerstag auf, Angriffe auf Menschen "auf unserem Boden" einzustellen. "Versuche, Menschen auf unserem Boden zu töten, zu entführen, zu belästigen, einzuschüchtern oder anderweitig anzugreifen, untergraben die nationale Souveränität und internationale Normen", hieß es in einer vom französischen Außenministerium veröffentlichten Erklärung. Zu den 22 Unterzeichnern gehören neben Deutschland auch mehrere weitere europäische Länder, die USA und Australien.
Die iranischen Geheimdienste sowie die für Auslandseinsätze zuständige Einheit der Revolutionsgarden hätten in anderen Ländern "tödliche Anschlagspläne und bösartige Aktionen" gegen iranische Dissidenten, Journalisten sowie jüdische und israelische Gemeinschaften und Interessen verfolgt, hieß es in der Erklärung. "Wir sind entschlossen und geeint darin, unsere Länder und unsere Bevölkerung vor diesen Bedrohungen zu schützen."
J.Bergmann--BTB