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Bertelsmann-Stiftung: Kehrtwende bei Erneuerbaren gefährdet Arbeitsplätze
Erneuerbare Energien wie Windkraft oder Photovoltaik bieten nach Angaben der Bertelsmann-Stiftung einer Rekordzahl an Menschen in Deutschland Arbeit. 2025 sei in der Branche mit 436.000 Beschäftigten ein neuer Höchststand erreicht worden, knapp vier Prozent mehr als im bisher besten Jahr 2023, teilte die Stiftung am Mittwoch in Gütersloh mit. Der sich abzeichnende energiepolitische Kurswechsel der Bundesregierung könne jedoch "Tausende von Jobs" gefährden.
Der Stiftung zufolge zeigt der Blick in die Vergangenheit, wie sehr sich veränderte politische Rahmenbedingungen auf die Beschäftigungszahlen in der Erneuerbaren-Branche auswirken. So sei bei Wärmepumpen nach mehr als 350.000 neu installierten Geräten im Jahr 2023 der Ausbau infolge des heftig diskutierten Heizungsgesetzes im Jahr darauf auf 200.000 Anlagen gefallen. 2025 schließlich seien dann wieder knapp 300.000 Wärmepumpen installiert worden. Die Beschäftigungszahlen fielen demnach zunächst um 28 Prozent auf 51.300 Menschen, stiegen 2025 dann aber wieder auf über 72.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an.
Dieser "Wärmepumpen-Knick" sei dabei keineswegs die erste Delle für die Erneuerbaren gewesen, führte die Stiftung aus. So hätten sich im Solarbereich zwischen 2011 und 2013 die Beschäftigtenzahlen "nach drastischen Förderkürzungen und dem Einbruch der inländischen Herstellung" von 156.700 auf 70.200 mehr als halbiert. In der Windbranche sank die Beschäftigung demnach zwischen 2016 und 2018 um etwa ein Fünftel - "nach der Einführung eines neuen Ausschreibungsverfahrens und einer Deckelung des Ausbaus".
"Die Beschäftigung wächst dort, wo durch Planungssicherheit private Investitionen in den Ausbau der erneuerbaren Energien fließen", erklärte die Arbeitsmarktexpertin der Stiftung, Jana Fingerhut. "Um Beschäftigung zu sichern, reicht aber der Ausbau allein nicht aus", fügte sie hinzu. "Dafür braucht es auch inländische Produktion und Herstellung, wie das Beispiel Photovoltaik beweist."
Denn obwohl immer mehr Photovoltaik-Anlagen installiert würden, sinke die Zahl der Beschäftigten aktuell, gab Fingerhut zu bedenken. "Die vor 15 Jahren noch so starke Fertigung in Deutschland ist verschwunden", erklärte sie. "Diesen Fehler dürfen wir bei der Produktion von Windkraftanlagen, Wärmepumpen und Wechselrichtern nicht wiederholen." Dabei gehe es nicht nur um Arbeitsplätze, sondern auch um eine "strategische Unabhängigkeit im Energiebereich".
Umso wichtiger ist der Stiftung zufolge deshalb, dass die derzeit geplante Gesetzesserie - von der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes über das Gebäudemodernisierungsgesetz und das Netzpaket bis zum Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz - "beschäftigungssicher" ausgestaltet wird: "Wenn kleinere Photovoltaik-Anlagen keine Förderung mehr erhalten, Unsicherheit bei der Entschädigung im Fall von Netzengpässen Investitionen in erneuerbare Energien hemmt, Gaskraftwerke anstatt Speicherlösungen gebaut werden und klare Regeln für klimafreundliches Heizen wegfallen, dann kann das wieder Arbeitsplätze kosten."
C.Meier--BTB