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Ukraine-Krieg: US-Gesandter Witkoff fordert Zugeständnisse beider Seiten
Bei ihrem ersten Besuch in Kiew seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner Zugeständnisse von beiden Seiten gefordert. "Beide Parteien müssen Kompromisse eingehen und die Meinungsverschiedenheiten abbauen", sagte Witkoff am Sonntag bei einer Pressekonferenz in Kiew. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte, dass territoriale Fragen nur bei einem Treffen beider Staatschefs geklärt werden könnten.
"Wir denken, über die notwendigen Elemente" für einen Kompromiss zu verfügen, sagte Witkoff in der ukrainischen Hauptstadt, in die er gemeinsam mit dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, Kushner, gereist war. "Es ist sehr schwer, aber wir sind entschlossen, es liegt uns am Herzen und wir hoffen, dass dies alles zu einer erfolgreichen, friedlichen, diplomatischen Lösung führen wird", fügte Witkoff hinzu. Zuvor hatte er von einer "sehr bedeutsamen, substanziellen und wichtigen Diskussion" gesprochen, die solange fortgesetzt werde "wie es nötig ist".
Er bleibe dabei, "dass derart komplexe Fragen" nur auf höchster Ebene geklärt werden könnten, sagte Selenskyj mit Blick auf mögliche Zugeständnisse. Der ukrainische Staatschef hat seit Beginn des russischen Angriffskriegs am 24. Februar 2022 bereits mehrfach ein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gefordert, was dieser aber ablehnt.
Trotz einer "positiven" Bewertung der Gespräche mit den USA geht Selenskyj "zum jetzigen Zeitpunkt" davon aus, dass der Krieg mit Russland auch noch im Winter andauert. Er setze dabei weiter auf die "Unterstützung unserer europäischen Partner", betonte er. An einem Teil der Beratungen in Kiew hatten auch Vertreter aus Berlin, Paris und London teilgenommen. Deutschland wurde durch den Sicherheitsberater von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Günter Sautter, vertreten.
Vor den Unterredungen in Kiew hatte Selenskyj erklärt, sein Land sei gesprächsbereit, immer konstruktiv gewesen und werde es bleiben. "Frieden wird gebraucht. Sicherheitsgarantien werden gebraucht. Ein würdiger Charakter des Friedens nach dem Krieg wird gebraucht", schrieb der ukrainische Präsident.
Die beiden US-Gesandten waren am Sonntag per Zug aus Polen kommend in der ukrainischen Hauptstadt eingetroffen. Tags zuvor hatten sie bereits in Moskau mit Putin verhandelt. Dort waren sie seit Kriegsbeginn bereits mehrfach.
Die beiden Kriegsparteien hatten zugesichert, für die Zeit von drei Tagen jeweils von Angriffen auf die Hauptstädte abzusehen, um die US-Vermittlungsmission nicht zu gefährden. Nach dem Überfall Russlands im Februar 2022 hatte die Ukraine ihren Luftraum geschlossen, so dass internationale Besucher seither mit dem Zug nach Kiew reisen.
Bei ihrem dreistündigen Treffen am Samstag mit Putin in Moskau besprachen Witkoff und Kushner nach Angaben der US-Regierung "konkrete Pläne" für die nächsten Schritte hin zu einem Ende des Krieges. In den kommenden Wochen würden die erörterten Pläne bekannt gegeben, hieß es weiter in Washington.
Putin hatte Trump dafür gedankt, dass dieser "nicht aufhöre" zu versuchen, den Krieg zu beenden, obwohl dies "nicht einfach" sei, wie in vom Fernsehen übertragenen Aufnahmen zu hören war.
Die US-Gesandten "brachten nicht nur ihr Interesse an einer raschen Beendigung der Kämpfe zum Ausdruck, sondern legten auch mehrere Ideen für mögliche Wege zu einer Lösung vor", sagte Kreml-Berater Juri Uschakow vor Journalisten. Das Gespräch sei "konstruktiv, äußerst offen und vertrauensvoll" gewesen. Die russische Seite habe den US-Vertretern mitgeteilt, Moskau sei "zuversichtlich", seine militärischen Ziele - die Eroberung des restlichen Ostens der Ukraine - erreichen zu können.
Nach viereinhalb Jahren Krieg hält Russland weite Teile des Ostens und des Südens der Ukraine besetzt; erklärtes Ziel Putins ist die Eroberung auch der übrigen, unter ukrainischer Kontrolle verbliebenen Gebiete im Donbas im Osten des Landes. Eine Abtretung der russisch besetzten Gebiete lehnt die Ukraine kategorisch ab.
Wegen des Iran-Krieges waren Initiativen aus Washington für eine Verhandlungslösung im Ukraine-Konflikt in den vergangenen Monaten ausgeblieben. Kürzlich hatte Trump dann einen neuen diplomatischen Vorstoß angekündigt und erklärt, Witkoff und sein Schwiegersohn hätten einen Plan "zur Beendigung des Krieges".
Ungeachtet der Gespräche in Moskau und Kiew wurden die Gefechte am Wochenende andernorts fortgesetzt. Allein am Samstag starben nach Angaben der ukrainischen Behörden bei russischen Angriffen zehn Menschen, darunter eine ganze Familie in der Region Charkiw.
C.Meier--BTB