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Schwerste Angriffe seit Jahren: Mehr als 70 Verletzte bei Huthi-Attacken in Saudi-Arabien
Bei den schwersten Angriffen der jemenitischen Huthi-Miliz auf Saudi-Arabien seit Jahren sind nach Angaben aus Riad mehr als 70 Menschen verletzt worden. Die Attacken der pro-iranischen Miliz lösten nach Angaben der saudiarabischen Behörden Brände in Öl-Anlagen aus und führten zu vorübergehenden Betriebsunterbrechungen. Die Huthis meldeten kurze Zeit später erste saudiarabische Gegenangriffe. Die Eskalation des Konflikts erfolgt vor dem Hintergrund der neu aufgeflammten Kämpfe im Jemen, durch die tausende Menschen vertrieben wurden.
Durch die Angriffe der Huthis seien insgesamt 73 Zivilisten verletzt worden, erklärte der gemeinsame Führungsstab der von Riad angeführten Militärkoalition.
Saudi-Arabien verurteilte die Angriffe. Das Königreich werde "alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um seine Souveränität zu verteidigen", erklärte das Außenministerium in Riad.
Der Huthi-Fernsehsender al-Masirah meldete wenige Stunden später eine Reihe von saudiarabischen Luftangriffen in der Provinz Tais im Südwesten des Jemen. Der Sender berichtete außerdem über Angriffe auf Ziele in der Region Marib im Zentrum des Landes.
Huthi-Militärsprecher Jahja Saree sagte, bei den Angriffen der Miliz auf Saudi-Arabien seien dutzende ballistische Raketen und Drohnen eingesetzt worden. Nach Huthi-Angaben wurden dabei der internationale Flughafen Abha im Süden Saudi-Arabiens, der Luftwaffenstützpunkt King Chalid im Südwesten sowie Anlagen des staatlichen saudiarabischen Ölkonzerns Aramco in Abha und Dschisan getroffen. Huthi-Sprecher Saree bezeichnete die Angriffe als Vergeltung für "121 Luftangriffe" Saudi-Arabiens auf Ziele im Jemen in den vergangenen drei Tagen.
Der Raffineriekomplex in Dschisan gehört mit einer Kapazität von 400.000 Barrel pro Tag zu den größten in Saudi-Arabien. Die Angriffe der Huthis auf Energieanlagen in Saudi-Arabien dürften den Druck auf die Ölpreise verstärken, die infolge der Blockade der Straße von Hormus bereits stark angestiegen sind.
Die Huthis kontrollieren weite Teile des Jemen, darunter die Hauptstadt Sanaa sowie Gebiete an der Grenze zu den saudiarabischen Provinzen am Roten Meer. Die von Teheran unterstützte Miliz hatte Ende Juli eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt und griff seither nach eigenen Angaben saudiarabische Öltanker im Roten Meer sowie Ölanlagen in dem Königreich an. Die Miliz zog den Jemen damit in den Iran-Krieg hinein.
Derzeit versucht die Miliz, Gebiete an der Meerenge Bab al-Mandab am Roten Meer einzunehmen. Bei tagelangen Gefechten nahe der Küste des Roten Meeres wurden mehr als 300 Menschen getötet. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) wurden durch die Kämpfe im Südwesten des Jemen inzwischen mehr als 18.500 Menschen vertrieben.
Die Meerenge Bab al-Mandab zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt und verbindet das Rote Meer mit dem Indischen Ozean. Seit der weitgehenden iranischen Blockade der Straße von Hormus hat die Meerenge zusätzlich an Bedeutung gewonnen.
Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition hatte seit 2015 die jemenitische Regierung im Kampf gegen die Huthis unterstützt. Seit einer von der UNO vermittelten Waffenruhe im Jahr 2022 kamen die Kämpfe zwischen Saudi-Arabien und der Miliz weitgehend zum Erliegen. Nach den jüngsten gegenseitigen Angriffen ist diese faktische Feuerpause praktisch hinfällig. Der Bürgerkrieg im Jemen gilt als Stellvertreterkrieg zwischen dem Iran und Saudi-Arabien.
L.Dubois--BTB