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Norwegens neuer König Haakon VIII. legt Eid ab- Tausende nehmen Abschied von Harald V.
Während Tausende in Oslo Abschied von dem verstorbenen norwegischen König Harald V. genommen haben, hat der neue König Haakon VIII. am Dienstag vor dem Parlament den Eid auf die Verfassung abgelegt. Bei der Zeremonie vier Tage nach dem Tod seines Vaters wurde der neue Monarch von seiner Tochter, Kronprinzessin Ingrid Alexandra, begleitet. Seine Frau, Königin Mette-Marit, konnte wegen Komplikationen infolge ihrer Lungentransplantation nicht teilnehmen.
"Ich verspreche und schwöre, das Königreich Norwegen gemäß seiner Verfassung und seinen Gesetzen zu regieren – möge der allmächtige und allwissende Gott mir dabei helfen", sagte Haakon VIII., der in schwarzer Galauniform im Parlament erschien. Der 53-Jährige hatte mit dem Tod seines Vaters, König Harald V., am vergangenen Freitag automatisch dessen Nachfolge angetreten.
Bei der Vereidigung saß Kronprinzessin Ingrid Alexandra neben ihm. Die 22-Jährige, die ihren Eid schriftlich im Königspalast leistete, trug ein langes schwarzes Kleid mit roter Schärpe und mehreren Orden und dazu einen schwarzen Hut mit Schleier. Auch Haralds Witwe, die frühere Königin Sonja, und Haakons Sohn Sverre Magnus waren anwesend.
Die Vereidigung ist ein wichtiger Schritt eines Machtwechsels in der Monarchie und soll verdeutlichen, dass die Befugnisse und Vorrechte des Königs durch die Verfassung begrenzt und geregelt sind. Krönungen wurden in Norwegen 1908 abgeschafft. Die königlichen Aufgaben sind in Norwegen im Wesentlichen symbolischer und repräsentativer Natur.
Das Parlament legte in Gedenken an den verstorbenen König eine Schweigeminute ein. Harald V. hatte seit 1991 auf dem Thron gesessen. Nachdem er seit Jahren immer wieder unter gesundheitlichen Problemen gelitten hatte, war er am Freitag im Alter von 89 Jahren gestorben. Seine Beisetzung ist für den 9. September geplant. Bis zum Vorabend können die Norweger persönlich von ihm Abschied nehmen.
Am Dienstagnachmittag wurde dazu die Schlosskapelle geöffnet, wo Haralds Sarg aufgebahrt ist. Im Laufe des Tages erwiesen Tausende dem verstorbenen Monarchen die letzte Ehre.
Haakon VIII. besteigt den Thron in schwierigen Zeiten. Das Königshaus war in den vergangenen Monaten unter anderem wegen der Freundschaft seiner Frau mit dem verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in die Schlagzeilen geraten. Hinzu kam der Vergewaltigungsprozess gegen ihren Sohn Marius Borg Hoiby.
Der 29-Jährige, der aus einer früheren Beziehung von Mette-Marit stammt, war im Juni wegen zwei Vergewaltigungen zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Gegen das Urteil hat er Berufung eingelegt. Seit Mitte Juli verbüßt er seine Strafe im Hausarrest und trägt eine elektronische Fußfessel.
Sorgen bereitete Haakon außerdem die Krankheit seiner Frau. Nachdem bei Mette-Marit 2018 eine schwere Lungenkrankheit diagnostiziert worden war, musste ihr Mitte Juni schließlich eine Spenderlunge transplantiert werden, ohne die sie nach Einschätzung der Ärzte nur noch ein Jahr zu leben gehabt hätte. Am Dienstag konnte die 53-Jährige wegen Komplikationen infolge der Transplantation nicht an Haakons Eid vor dem Parlament teilnehmen.
"Es ist nicht ungewöhnlich, dass nach einer Lungentransplantation Komplikationen auftreten. Die Königin hatte seit der Operation mehrfach Komplikationen, auch heute", zitierte das norwegische Königshaus den Arzt Are Holm. "Sie muss daher den ganzen Tag über unter Beobachtung bleiben", fuhr er der Erklärung zufolge fort.
Wenige Stunden nach der Vereidigung des neuen Königs begab sich Mette-Marit in ein Krankenhaus in Oslo. Auf Fotos norwegischer Medien war zu sehen, wie Haakon VIII. seine Frau mit einem Auto zur Klinik brachte und später ohne sie wieder wegfuhr.
Nach dem Tod des wegen seiner bescheidenen und bodenständigen Art weithin beliebten Königs Harald V. versammeln sich die Norweger wieder mehr hinter ihrem Königshaus. Nach Bekanntwerden der Todesnachricht waren tausende Menschen zum Schloss in Oslo gekommen, um Blumen niederzulegen.
Eine am Dienstag vom Sender NRK veröffentlichte Umfrage des Instituts Norstat ergab, dass 72 Prozent, also fast drei Viertel der Norweger, die Monarchie in ihrem Land unterstützen. Nur 20 Prozent der Befragten sprachen sich für eine andere Staatsform aus, acht Prozent waren unentschieden. Im Februar hatte die Zustimmungsrate infolge der jüngsten Skandale nur bei 60 Prozent gelegen.
Von den Mitgliedern des Königshauses erhielt Mette-Marit in der aktuellen Umfrage mit 5,2 von zehn Punkten den niedrigsten Beliebtheitswert. Haakon schnitt mit 8,8 deutlich besser ab. Am besten wurde Sonja mit 8,9 bewertet. Mette-Marits Sohn Marius gehört der Königsfamilie nicht offiziell an und wurde daher nicht bewertet.
M.Furrer--BTB