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Kühltürme von Ex-Atomkraftwerk Gundremmingen gesprengt - Zehntausende Zuschauer
In Bayern sind am Samstag die beiden Kühltürme des stillgelegten Atomkraftwerks Gundremmingen im Landkreis Günzburg gesprengt worden. Die 160 Meter hohen Türme wurden planmäßig durch ein vom Energiekonzern RWE beauftragtes Sprengunternehmen zerstört. Bei regnerischem Wetter verfolgten zehntausende Schaulustige außerhalb einer Sperrzone die Sprengung der Türme, die in den vergangenen fast 50 Jahren zum markanten Wahrzeichen in der Region geworden waren. Der Abriss der Kühltürme ist Teil des planmäßigen Rückbaus des Atomkraftwerks.
Die Polizei sprach von rund 30.000 Zuschauern, die die Sprengung beobachtet hätten. Rund 600 Kilogramm Sprengstoff in insgesamt 1800 Bohrlöchern seien für die Aktion erforderlich gewesen, erklärte RWE. Die rund 56.000 Tonnen Material sollen nun nach RWE-Angaben zu Recycling-Schotter, einem am Markt gefragten Baustoff, aufbereitet werden. Die Sprengung selbst dauerte nach Angaben des Unternehmens 45 Sekunden.
Die Kühltürme waren in den Jahren 1977 bis 1980 errichtet worden. An ihrer Oberkante hatten sie einen Durchmesser von fast 129 Metern. Während des Akw-Betriebs hatten die Kühltürme dafür gesorgt, dass die Donau nicht zu stark mit Abwärme belastet wurde.
Als Folge des Atomausstiegs wurde die Stromproduktion in Block C des Kraftwerks 2021 endgültig eingestellt, Block B war bereits 2017 abgeschaltet worden. Seit der Inbetriebnahme im Jahr 1984 hatte die Anlage laut RWE jährlich rund 20 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert, was etwa einem Viertel der bayerischen Stromerzeugung entsprach.
Mit der Sprengung komme RWE dem "gesetzlichen Auftrag zum zügigen Rückbau" der Anlage in Gundremmingen nach, erklärte das für die Sparte Atomenergie zuständige RWE-Vorstandsmitglied Steffen Kanitz. "Der erfolgreiche Abbruch der beiden Kühltürme ist nun auch ein nach außen sichtbarer Beleg, dass wir den politisch beschlossenen Kernenergieausstieg konsequent umsetzen."
Gundremmingen war einer der größten Atomstandorte in Deutschland. Bereits im Jahr 1966 war dort mit Block A das erste große Atomkraftwerk in Deutschland in Betrieb gegangen.
Politische Kritiker des Atomausstiegs werteten die Sprengung als Symbol einer verfehlten Energiepolitik. "Fühlt sich so an, als ob wir unsere eigene Industrie in die Luft sprengen würden", schrieb der Chef der Jungen Union, Johannes Winkel (CDU), im Kurzbotschaftendienst X. Die AfD-Vorsitzende Alice Weidel schrieb dort, die Sprengung markiere die "vorsätzliche Zerstörung unserer Energieversorgung durch CSU und CDU".
Die Polizei war nach eigenen Angaben mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften vor Ort, um die Sicherheit der Sprengung zu gewährleisten. Zwei angemeldete Versammlungen von Atomkraftbefürwortern seien ohne Störungen verlaufen, die Teilnehmerzahl lag demnach jeweils im niedrigen zweistelligen Bereich.
W.Lapointe--BTB