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Nach Waffenruhe-Verlängerung: Neue gegenseitige Angriffe Israels und der Hisbollah
Einen Tag nach der Verlängerung der Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon hat Israel erneut Hisbollah-Ziele im Nachbarland angegriffen. Die Streitkräfte hätten Angriffe auf die Infrastruktur der pro-iranischen Miliz "in mehreren Gebieten im Süden des Libanon" begonnen, erklärte die Armee am Samstag. Die Hisbollah lehnt die Feuerpause wie auch die direkten Gespräche ab und griff Israel erneut mit Drohnen an.
Libanons Regierungschef Nawaf Salam warf der vom Iran finanzierten Miliz vor, den Libanon in einen neuen "unverantwortlichen" Krieg hineingezogen zu haben.
Libanons staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete am Samstag von israelischen Angriffen auf mindestens fünf Dörfer im Süden des Landes, in denen die Menschen zuvor einem Evakuierungsaufruf gefolgt waren. Die israelische Armee hatte vorab die Bewohner von neun Dörfern in den Regionen Sidon und Nabatije aufgefordert, die Orte angesichts der bevorstehenden Luftangriffe zu verlassen.
Die brüchige Feuerpause gilt seit dem 17. April und wäre eigentlich am Sonntag ausgelaufen. Bereits kurz nach der Bekanntgabe ihrer Verlängerung wurden am Vortag mindestens sechs Menschen im Süden des Libanons bei einem israelischen Angriff getötet: In der libanesischen Ortschaft Haruf wurde ein Zentrum der Hisbollah-nahen Organisation Islamisches Gesundheitskomitee von einem israelischen Angriff getroffen. Zugleich setzte die Hisbollah ihre Drohnenangriffe auf den Norden Israels fort, darunter in der grenznahen Stadt Naharija.
Noch während die zweitägigen Gespräche in Washington stattfanden, rief die israelische Armee die Bevölkerung der südlibanesischen Stadt Tyros dazu auf, die Stadt wegen bevorstehender Angriffe auf Hisbollah-Infrastruktur zu verlassen. Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP hörte in der Folge eine Reihe von Einschlägen. In Tyros wurden laut Gesundheitsministerium mindestens 37 Menschen verletzt, darunter sechs Krankenhausmitarbeiter, neun Frauen und vier Kinder.
Israel und der Libanon hatten sich unter US-Vermittlung auf eine Verlängerung ihrer Waffenruhe um 45 Tage geeinigt. Die beiden Nachbarländer unterhalten offiziell keine diplomatischen Beziehungen und befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand.
US-Außenamtssprecher Tommy Pigott erklärte am Freitag, die Gespräche sollten "dauerhaften Frieden" zwischen Israel und dem Libanon, eine vollständige Anerkennung der Souveränität und territorialen Integrität beider Länder und "echte Sicherheit entlang ihrer gemeinsamen Grenze" erreichen. Weiter sagte er, die Gespräche sollten am 2. und 3. Juni fortgesetzt werden. Bereits am 29. Mai wolle das US-Verteidigungsministerium zudem Militärvertreter aus beiden Ländern zusammenbringen.
Der israelische Botschafter in Washington, Yechiel Leiter, erklärte nach den Gesprächen, die Sicherheit seines Landes müsse garantiert werden. "Es wird Höhen und Tiefen geben, aber das Potenzial für Erfolg ist riesig", sagte er mit Blick auf mögliche künftige Beziehungen zwischen beiden Staaten.
Die libanesische Delegation äußerte die Hoffnung auf "dauerhafte Stabilität" und bezeichnete die Waffenruhe als "entscheidende Atempause für unsere Bürger". Die Verlängerung der Feuerpause und die Einrichtung eines von den USA unterstützten Sicherheitsmechanismus stärke zudem die staatlichen Institutionen, erklärte die libanesische Delegation laut einer vom libanesischen Präsidialamt veröffentlichten Erklärung.
Libanons Regierungschef Nawaf Salam warf der vom Iran finanzierten Miliz vor, den Libanon in einen neuen "unverantwortlichen" Krieg hineingezogen zu haben. Er rief arabische und andere Staaten am Freitag zur Unterstützung auf, um die Verhandlungsposition seines Landes gegenüber Israel zu stärken. In einer Anspielung auf die Hisbollah in seinem Land sagte er nach der Waffenruhe-Verlängerung, der Libanon wolle keine weiteren "rücksichtslosen Abenteuer, die ausländischen Projekten und Interessen dienen".
Ungeachtet der Feuerpause hatten Israel und die Hisbollah im Libanon ihre gegenseitigen Angriffe bereits in den vergangenen Wochen fortgesetzt. Beide Seiten werfen sich gegenseitig Verstöße gegen das Waffenruhe-Abkommen vor. Der Vereinbarung zufolge hat Israel das Recht, gegen "geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe" vorzugehen.
Die Hisbollah, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist, lehnt sowohl die direkten Gespräche zwischen den Nachbarländern als auch die Waffenruhe ab. Als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei durch einen israelischen Angriff zu Beginn des Iran-Krieges feuerte die von Teheran finanzierte Schiitenmiliz Anfang März Raketen auf Israel ab. Israel flog daraufhin massive Angriffe auf Teile des Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze.
I.Meyer--BTB