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Großbrand in Hongkong: Feueralarm in Hochhäusern "funktionierte nicht richtig"
Die hohe Opferzahl bei dem verheerenden Großbrand in Hongkong hätte womöglich verhindert werden können: Das Feueralarm-System in allen acht Hochhäusern des Wohnkomplexes "funktionierte nicht richtig", wie Feuerwehr-Chef Andy Yeung am Freitag sagte. Die Zahl der Todesopfer stieg auf 128, von denen 89 noch nicht identifiziert waren. Rund 200 Menschen wurden noch vermisst. Die Behörden gaben die Festnahme von acht Verdächtigen bekannt.
Auf der verzweifelten Suche nach den Vermissten klapperten Familien Krankenhäuser und Einrichtungen zur Identifikation der Opfer ab. Die Feuerwehr teilte mit, auf der Suche nach Überlebenden habe sie mehr als 1800 Wohnungen überprüft.
Ein AFP-Reporter sah, wie in einem Zeitraum von 15 Minuten vier Tote in Leichensäcken aus den Hochhäusern herausgetragen wurden. Ein anderer Reporter beobachtete, wie Fahrzeuge die Toten zu einer Leichenhalle brachten, wo am Nachmittag Angehörige zur Identifikation der Brandopfer eintrafen.
"Wir schließen nicht aus, dass die Polizei weitere verkohlte Leichen finden wird, wenn sie für eine gründliche Untersuchung und die Sicherung von Beweisen" in die Gebäude gehen werde, sagte Hongkongs Sicherheitschef Chris Tang vor Journalisten.
Die acht Festgenommenen werden im Zusammenhang mit Renovierungsarbeiten an dem Wohnkomplex der Korruption beschuldigt, wie die unabhängige Antikorruptionskommission (ICAC) von Hongkong mitteilte. Bei den sieben Männern und einer Frau handele es sich um "Berater, Gerüstbau-Subunternehmer und (einen) Mittelsmann des Projekts". Unter ihnen seien zwei Direktoren und zwei Projektmanager der mit der Aufsicht der Renovierungsarbeiten beauftragten Beraterfirma. Zuvor waren drei Mitarbeiter einer Baufirma festgenommen worden.
Feuerwehr-Chef Yeung kündigte zudem an, dass das Wartungsunternehmen für die Feuermelder zur Verantwortung gezogen werde. Die Hongkonger Polizei hatte ihrerseits bereits am Donnerstag bekanntgegeben, dass sie im Rahmen ihrer Ermittlungen drei Männer wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung festgenommen habe.
Der Großbrand war am Mittwoch im Wohnkomplex Wang Fuk Court im nördlichen Stadtteil Tai Po ausgebrochen. Das Feuer wütete über 40 Stunden lang in sieben der acht Hochhausblöcke der Wohnanlage, die insgesamt fast 2000 Wohneinheiten umfasst. Am Freitagmorgen erklärte die Feuerwehr, dass die Löscharbeiten beendet seien. An dem Komplex fanden gerade Renovierungsarbeiten statt, weshalb er mit Bambusgerüsten eingerüstet war.
Laut am Freitag vorgelegten Ermittlungsergebnissen wurde das Feuer durch die Bambusgerüste und andere brennbare Materialien, die zum Schutz vor Staub und herabfallenden Gegenständen verwendet wurden, angefacht. Eine besondere Rolle spielten offenbar Schaumstoffplatten vor Fenstern sowie Schutznetze.
"Nach unseren ersten Informationen gehen wir davon aus, dass das Feuer an den Schutznetzen außerhalb der unteren Stockwerke ausbrach und sich aufgrund von Schaumstoffplatten vor den Fenstern schnell nach oben ausbreitete", sagte Sicherheitschef Chris Tang.
Dutzende Menschen wurden am Freitag noch im Krankenhaus behandelt, elf von ihnen schwebten in Lebensgefahr, 21 galten als schwer verletzt.
J.Bergmann--BTB