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Familie: Iranische Friedensnobelpreisträgerin Mohammadi bei Festnahme brutal geschlagen
Wachsende Sorge um Narges Mohammadi: Bei ihrer gewaltsamen Festnahme im Iran ist die Friedensnobelpreisträgerin nach Angaben ihrer Familie brutal geschlagen worden. Seine gesundheitlich fragile Schwester sei trotz der Misshandlung "nicht im Krankenhaus und noch immer in Gewahrsam", sagte der in Oslo lebende Bruder der 53-Jährigen, Hamid Mohammadi, am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Iranische Aktivisten, darunter der preisgekrönte Regisseur Jafar Panahi, forderten die "sofortige und bedingungslose Freilassung" der Frauenrechtlerin.
Hamid Mohammadi sagte AFP, seine Schwester habe einen im Iran lebenden Bruder angerufen und ihm berichtet, dass sie bei ihrer Festnahme am Freitag brutal am Kopf und im Gesicht geschlagen worden sei. Daraufhin sei sie zu einem Arzt gebracht worden.
Bis zu einem Telefonat am späten Sonntagabend gab es nach Angaben von Mohammadis Unterstützern weder Kontakt zu der Frauenrechtlerin noch Informationen über ihren Aufenthaltsort. In einem kurzen Telefonat mit ihrer Familie habe sie schließlich zwei Tage nach ihrer Festnahme geschildert, wie sie dabei "wiederholte heftige Schläge auf Kopf und Nacken mit einem Schlagstock" durch Beamte in Zivil erlitten habe, erklärte Mohammadis Stiftung am Montag. Daraufhin sei die 53-Jährige zweimal in die Notaufnahme gebracht worden.
In dem Telefonat sei die Friedensnobelpreisträgerin von 2023 "in keiner guten körperlichen Verfassung" gewesen, sie "schien zu leiden". Mohammadi habe zudem ihre Familie gebeten, "unverzüglich eine formelle Beschwerde gegen die Sicherheitsbehörde einzureichen, die sie festgenommen hat, und gegen die gewaltsame Art ihrer Festnahme".
Was ihr und den anderen festgenommenen Aktivisten vorgeworfen werde, sei unklar, erklärte ihre Stiftung weiter. Mohammadi wisse nicht, "welche Sicherheitsbehörde sie derzeit festhält", erklärte ihre Stiftung weiter. Sie sei während und nach ihrer Festnahme beschuldigt worden, "mit der israelischen Regierung zusammenzuarbeiten". Die iranischen Behörden haben die Anklagepunkte bisher nicht bestätigt.
Mohammadi war am Freitag zusammen mit weiteren Aktivisten bei einer Gedenkfeier für den in der vergangenen Woche tot aufgefundenen Menschenrechtsanwalt Chosrow Alikordi gewaltsam von iranischen Sicherheitskräften und Polizisten abgeführt worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden insgesamt 38 Menschen festgenommen, darunter neben Mohammadi die Menschenrechtsanwältin Sepideh Gholian.
Mohammadis Stiftung hatte am Sonntag erklärt, der Fall der Friedensnobelpreisträgerin sei an den sogenannten Revolutionsstaatsanwalt von Maschchad weitergeleitet worden sei. Demnach droht ihr womöglich eine Anklage wegen angeblicher Gefährdung der nationalen Sicherheit.
Mohammadi war zuletzt im November 2021 festgenommen worden und verbrachte bereits mehrere Jahre im Gefängnis. Im Dezember 2024 war sie aus gesundheitlichen Gründen aus ihrer Haft im berüchtigten Evin-Gefängnis bei Teheran freigelassen worden - dies sei aber nur vorübergehend, wurde damals betont. Zudem durfte sie den Iran nach eigenen Angaben nicht mehr verlassen.
Mohammadi spielt eine zentrale Rolle im Kampf für Frauenrechte und Meinungsfreiheit in ihrem Land. Sie setzt sich seit Jahrzehnten gegen den Kopftuchzwang sowie gegen die Todesstrafe im Iran ein. Einen Großteil des vergangenen Jahrzehnts verbrachte sie im Gefängnis. Die Frauenrechtlerin wurde seit 1998 wiederholt inhaftiert und auch ausgepeitscht.
Aus dem Gefängnis heraus hatte Mohammadi die Massenproteste unterstützt, die 2022 nach dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini in Polizeigewahrsam eingesetzt hatten. Die junge iranische Kurdin war wegen eines angeblichen Verstoßes gegen die Kleiderordnung festgenommen worden.
Mohammadi wurde 2023 für ihren Einsatz für Menschenrechte mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Den Preis nahmen damals stellvertretend für sie ihre beiden Kinder entgegen.
Die iranischen Filmemacher Jafar Panahi und Mohammad Rasoulof sowie mehr als ein Dutzend weitere Aktivisten forderten die umgehende Freilassung aller am Freitag festgenommenen Aktivisten. Sie erklärten, die Ereignisse bei Alikordis Gedenkfeier seien "ein erschreckendes Spiegelbild des besorgniserregenden Zustands von Freiheit und Sicherheit (...) im heutigen Iran".
Zudem prangerten sie in ihrer Stellungnahme eine "tiefe politische und soziale Sackgasse im Land" an. Diese könne "nur durch die Wiederherstellung der Souveränität des Volkes überwunden" werden.
G.Schulte--BTB