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Französisches Endlager kommt Umsetzung näher - Sicherheitsfragen bleiben
Das in Frankreich geplante Endlager für radioaktiven Atommüll ist seiner Umsetzung einen Schritt näher gekommen. Die französische Atomaufsicht beurteilte die Sicherheitsvorkehrungen für das unterirdische Lager im lothringischen Bure nahe der deutschen Grenze in einem am Donnerstag vorgestellten Bericht als "zufriedenstellend". Sie verwies aber zugleich auf zahlreiche Risiken, die weiter geprüft werden müssten. "Es ist eine wichtige Etappe, aber noch nicht das Ende der Geschichte", sagte der Vize-Generladirektor der Atomaufsicht (ASN), Pierre Bois, der Nachrichtenagentur AFP.
Die technische Stellungnahme der ASN, an der Experten 30 Monate lang gearbeitet hatten, ermöglicht nun den Beginn der nächsten Phase, eine obligatorische öffentliche Anhörung, die für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant ist. Anschließend entscheidet die Regierung, ob sie das Vorhaben durch einen Erlass des Staatsrats genehmigt. Damit wird frühestens 2028 gerechnet. Die ersten Behälter mit Atommüll könnten ab 2050 unter die Erde gebracht werden.
Der seit 1991 geplante Bau des Endlagers, das etwa 150 Kilometer von Saarbrücken entfernt in einer schwach besiedelten Region entstehen soll, ist seit Jahrzehnten heftige umstritten. Es sieht die Einlagerung von Atommüll in einem Tunnelsystem 500 Meter unter der Erdoberfläche in einer Tonschicht vor.
Zu den Punkten, zu denen der Betreiber sich noch äußern soll, zählen etwa die Versiegelung der unterirdischen Tunnel, in denen der Atommüll gelagert werden soll, die Frage, wie schnell die Metallbehälter korrodieren sowie das Risiko von Explosionen und dem Ausbruch von Feuer in dem Endlager.
Der linkspopulistische Abgeordnete Maxime Laisney kritisierte die Haltung der Atomaufsicht. "Trotz all dieser Mängel geben Sie eine positive Stellungnahme ab und fordern die zuständige Behörde lediglich auf, die Sicherheitsnachweise später zu erbringen", erklärte Laisney.
Der Chef der Atomaufsicht wies die Vorwürfe zurück. Die zahlreichen Etappen, die noch zu passieren seien, seien "Gelegenheiten, eine Reihe technischer Punkte zu überprüfen und die Zivilgesellschaft zu informieren", betonte Bois.
Das Endlager in Bure soll den vorhandenen und künftigen Atommüll der bis Ende 2016 genehmigten Atomanlagen aufnehmen, einschließlich des erst 2024 in Betrieb genommenen Druckwasser-Reaktors in Flamanville, der Aufbereitungsanlagen und Forschungseinrichtungen. Insgesamt sollen dort 83.000 Kubikmeter Atommüll eingelagert werden. Davon ist etwa die Hälfte bereits produziert.
Die Abfälle der sechs bis 14 neu geplanten Reaktoren sind jedoch nicht eingeplant. Die Behörde geht davon aus, dass die Menge des hoch radioaktiven Mülls sich um 20 Prozent vergrößern könne. Für eine Erweiterung müsste es ein neues Genehmigungsverfahren geben.
Gegen das geplante Endlager gibt es immer wieder Proteste von Umweltschützern, die von der Sicherheit des Lagers nicht überzeugt sind. Sie fallen im Vergleich zu deutschen Endlager-Protesten jedoch relativ klein aus. Im September demonstrierten etwa 700 Menschen gegen das geplante Endlager, das zunächst nur als Forschungslabor angelegt worden war.
Ein großer Teil des französischen Atommülls lagert bislang in der Wiederaufbereitungsanlage in La Hague. Das dortige Lagerbecken könnte bereits 2030 voll sein, ein weiteres Becken ist in Planung.
Im Mai war bekannt geworden, dass das Endlager in Bure deutlich teurer werden dürfte als geplant. Die Kosten könnten von 25 Milliarden auf bis zu 37,5 Milliarden Euro steigen, hatte die Behörde für Atommüll errechnet.
S.Keller--BTB