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Prominenter brasilianischer Indigenen-Anführer Raoni an Krebs erkrankt
Der durch sein jahrzehntelanges Engagement für den Umweltschutz bekannte brasilianische Indigenen-Anführer Raoni Metuktire hat Krebs. Der Magen-Darm-Trakt des Aktivisten, dessen Alter auf mindestens 94 Jahre geschätzt wird, sei von Krebs befallen, teilte Raonis Organisation am Montag (Ortszeit) mit. Der Umwelt- und Klima-Aktivist werde zu Hause palliativmedizinisch behandelt.
Palliativmedizin wird bei Menschen angewandt, bei denen eine schwere Erkrankung weit fortgeschritten und keine Heilung mehr zu erwarten ist. Dabei geht es darum, die Krankheitsbeschwerden so gering wie möglich zu halten.
"Angesichts seines Alters, seiner klinischen Verfassung und der hohen Risiken aggressiver Behandlungen hat sein Ärzteteam eine palliativmedizinische Behandlung empfohlen", erklärte das Raoni-Institut in Online-Netzwerken. Dies bedeute nicht, dass er keine Behandlung erhalte, sondern dass sich die Ärzte bemühten, ihm "die bestmögliche Lebensqualität" zu ermöglichen. Raoni erhält seine Behandlung demnach in Peixoto de Azevedo, der Stadt, die dem Indigenengebiet, in dem er lebt, am nächsten liegt.
Raoni ist bereits seit einigen Monaten gesundheitlich angeschlagen. Mitte Juni wurde er dann schwer erkrankt in ein Krankenhaus in der Amazonasregion eingeliefert. Fünf Tage später musste er in die Uni-Klinik in São Paulo verlegt werden, nachdem er einen Verschluss des oberen Darmtrakts erlitten hatte und eine Lungenentzündung bekam. Untersuchungen nach seiner Operation in São Paulo ergaben schließlich, dass ein Krebstumor Raonis Beschwerden im Darmtrakt verursacht hatte.
Seit Jahrzehnten kämpft der Indigen-Anführer weltweit gegen die Abholzung des Regenwaldes und für den Erhalt der Lebensbedingungen der indigenen Bevölkerung. Bekannt ist er auch für sein auffälliges Äußeres: An seiner Unterlippe trägt er eine große hölzerne Platte. Sie kennzeichnet ihn als einen Kämpfer des Indigenenvolks der Kayapó, der bereit ist, für sein Land zu sterben. Außerdem schmückt er sich mit großen Papageienfedern.
Bekanntheit erlangte das Oberhaupt der Kayapó erstmals in den 1970er Jahren. Damals setzte er sich während der brasilianischen Militärdiktatur (1964-1985) gegen den Bau einer Fernstraße durch den Amazonas ein. Im Jahr 1989 traf Raoni im Amazonas-Regenwald den britischen Popstar Sting.
Die Begegnung war der Auftakt für weitere internationale Treffen, darunter mit Staats- und Regierungschefs, Monarchen und Päpsten. Seitdem reiste Raoni immer wieder um die Welt, um auf die Belange der indigenen Völker und die Auswirkungen des Klimawandels auf den Regenwald aufmerksam zu machen. Das letzte internationale Treffen, an dem der Indigenen-Anführer teilnahm, war die UN-Klimakonferenz COP30 im vergangenen November in seiner Heimat Brasilien.
J.Horn--BTB