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Grenzkonflikt zwischen Thailand und Kambodscha: Hunderttausende Menschen vertrieben
Hunderttausende Menschen sind offiziellen Angaben zufolge im wiederaufgeflammten Grenzkonflikt zwischen Kambodscha und Thailand in beiden Ländern vertrieben worden. In Kambodscha seien mehr als 518.000 Menschen vor thailändischen Angriffen geflohen, erklärte das Innenministerium in Phnom Penh am Sonntag. Nach Angaben aus Bangkok wurden auf thailändischer Seite rund 400.000 Menschen vertrieben. Beide Staaten erklärten, dass ein Treffen der südostasiatischen Außenminister am Montag in Malaysia voraussichtlich zur Entspannung der Lage beitragen werde.
Der Sprecher des thailändischen Verteidigungsministeriums, Surasant Kongsiri, sagte Reportern, dass mehr als 200.000 Menschen im Land weiterhin in Notunterkünften untergebracht seien. "Es gibt einige Dorfbewohner, die nach Hause zurückkehren können." Zugleich warnte er aber, dass dort noch immer "gefährliche Minen und Bomben" drohen könnten.
Bei den im Dezember erneut ausgebrochenen Kämpfen zwischen den beiden südostasiatischen Nachbarländern wurden nach Behördenangaben mindestens 22 Menschen in Thailand und 19 in Kambodscha getötet, darunter Soldaten wie Zivilisten. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, die erneuten Zusammenstöße ausgelöst zu haben, und berufen sich jeweils auf ihr Recht auf Selbstverteidigung.
Ein Treffen der Außenminister des südostasiatischen Staatenverbundes Asean am Montag in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur könnte nach Angaben aus Bangkok und Phnom Penh zur Entspannung des Konflikts beitragen. Bangkok bezeichnete das Treffen als "wichtige Möglichkeit für beide Seiten".
Die Sprecherin des thailändischen Außenministeriums, Maratee Nalita Andamo, wiederholte frühere Bedingungen für Verhandlungen mit Kambodscha. Unter anderem soll Phnom Penh demnach als erstes eine Waffenruhe verkünden und bei Bemühungen für die Räumung von Minen entlang der Grenze kooperieren.
Das kambodschanische Außenministerium erklärte, es verfolge das Ziel, "Frieden, Stabilität und gute nachbarliche Beziehungen" wiederherzustellen. Phnom Penh werde "seine entschiedene Haltung bekräftigen, Differenzen und Streitigkeiten mit allen friedlichen Mitteln, durch Dialog und Diplomatie beizulegen".
Der Streit zwischen Thailand und Kambodscha schwelt seit Jahrzehnten. Im Mittelpunkt des Konflikts steht die Grenzziehung im sogenannten Smaragd-Dreieck, wo die thailändische Provinz Surin, die kambodschanische Provinz Oddar Meanchey sowie Laos aneinander grenzen. Der Konflikt ist die Folge einer unklaren Grenzziehung durch Kambodschas ehemalige Kolonialmacht Frankreich im Jahr 1907.
Im Juli eskalierte der Konflikt zwischen Thailand und Kambodscha. Bei fünftägigen Gefechten wurden mehr als 40 Menschen getötet. Ende Oktober unterzeichneten die Konfliktländer dann unter Vermittlung der USA ein Abkommen, das einen langfristigen Frieden sichern sollte. Thailand setzte die Umsetzung des Friedensabkommens vor knapp einem Monat jedoch aus.
US-Außenminister Marco Rubio betonte am Freitag, Washington hoffe, dass Thailand und Kambodscha sich bis Dienstag auf eine neue Feuerpause verständigen.
Die Regierung in Thailand garantierte jedoch nicht, dass das Treffen am Montag zu einer Waffenruhe führen werde und erklärte, dass diese nur erreicht werden könne, wenn sie "in erster Linie auf der Einschätzung der Lage vor Ort durch die thailändische Armee basiert".
Kambodscha, das Thailand militärisch und finanziell unterlegen ist, erklärte am Sonntag, dass thailändische Streitkräfte seit dem frühen Morgen wieder angegriffen hätten. Es habe Kämpfe an der Grenze in der Nähe des 900 Jahre alten Tempels Preah Vihear gegeben.
Der Tempel steht im Mittelpunkt des seit Jahrzehnten andauernden Konflikts zwischen Bangkok und Phnom Penh. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag entschied 2013, dass die Ruinen von Preah Vihear zu Kambodscha gehören.
N.Fournier--BTB