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Rohr prophezeit Weltmeister aus Afrika: "Glaube ich ganz fest"
Starke Gegenwart, goldene Zukunft: Im Zuge der hervorragenden Leistungen in der Vorrunde der Fußball-Weltmeisterschaft prophezeit Gernot Rohr den nahenden ersten WM-Titel einer afrikanischen Mannschaft. "Der große Wurf wird kommen. Daran glaube ich ganz fest", sagte der Nationaltrainer Benins im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID). Vor allem defensiv hätten die Teams aus Afrika "einen großen Schritt nach vorn gemacht".
Die Einschätzung kommt aus berufenem Mund. "Ich bin jetzt seit 16 Jahren auf dem Kontinent tätig und sehe, wie sich die Rahmenbedingungen rasant verbessern und die Entwicklung technisch, taktisch und physisch voranschreitet", sagte Rohr: "Selbst wenn es bei dieser WM noch nichts werden sollte: Die Marokkaner sind momentan am nächsten dran und werden immer besser." Auch der Senegal sei "auf Tuchfühlung und ein Kandidat fürs Halbfinale".
Neun von zehn afrikanischen Teams haben sich bei der WM für die K.o.-Runde qualifiziert - eine Überraschung? "Keineswegs. Das ist logisch", sagte Rohr: "Seit einigen Jahren wird in Afrika richtig gute Arbeit geleistet in Verbänden und Vereinen. Die Strukturen werden Stück für Stück auf Highlevel gebracht. Die Stadien und Rasenflächen werden immer besser. Und auch die Vorbereitungen auf große Turniere werden professionalisiert, Spieler werden besser bezahlt, Trainerstäbe sind von höherer Qualität."
In der Debatte um die Beurteilung des afrikanischen Fußballs wünscht sich Rohr wie der frühere deutsche Nationalspieler Gerald Asamoah mehr Differenzierung. Man dürfe Afrika "nicht immer als Einheit sehen, es gibt in den 52 Fußball-Verbänden eine große Diversität mit regionalen Eigenheiten. Da gibt es große Unterschiede zwischen Nord und Süd, zwischen Ost und West", sagte der 73-Jährige: "Es macht Sinn, sich differenzierter und detaillierter mit den einzelnen Mannschaften zu beschäftigen."
Das von manchen Beobachtern als "unorthodox" beschriebene Spiel tue dem Fußball gut. So bekäme bei Senegal oder Ghana "die Fantasie ihren Platz, die Imagination, das Außergewöhnliche", so Rohr: "Es ist schön, dass es das im Weltfußball noch gibt. Nicht alles wird herausanalysiert und auf Effizienz getrimmt. Ich finde es schön, dass bei vielen afrikanischen Teams die Dinge mit Gefühl angegangen werden, ein Stück weit frei von Fesseln. Die Leichtfertigkeit gehört mit dazu. Das hat einen gewissen Charme."
Rohr hat in Afrika die Nationalmannschaften von Gabun, Niger, Burkina Faso und Nigeria trainiert. Seit 2023 ist er für Benin verantwortlich. Mit Nigeria war der frühere Mannheimer, der seit seiner Zeit bei Girondins Bordeaux auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt, 2018 bei der WM in Russland dabei.
M.Odermatt--BTB