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England in Schockstarre: "Fans wütend auf Tuchel"
Thomas Tuchel steckte die linke Hand in seine Hosentasche und lief wie in Trance über den Rasen von Atlanta. Nah, so unglaublich nah war er dran gewesen, den englischen WM-Final-Fluch nach 60 Jahren zu brechen - aber: England bleibt England, selbst mit deutschem Trainer.
Und Tuchel weiß, was das bedeutet. "England-Fans wütend auf Tuchel - das geht auf seine Kappe", schrieb die Boulevardzeitung The Sun unmittelbar nach dem furchtbar bitteren 1:2 (0:0) im Halbfinale gegen den Weltmeister Argentinien in einer Blitz-Auswertung von Internet-Kommentaren.
Der Trainer werde für "feige" Auswechslungen nach der zwischenzeitlichen 1:0-Führung geradezu niedergemacht. "Das ist herzzerreißend. Tuchels Wechsel gehen nach hinten los", kommentierte auch der Mirror. Der Telegraph vermutete sofort: "Die Vorwürfe werden noch Jahre anhalten."
Es werden also ungemütliche Tage werden, aber Tuchel war ohnehin erst einmal in Schockstarre. Genau wie Harry Kane, der nach dem Abpfiff noch minutenlang vor sich hin starrte und zu keinerlei Bewegung mehr fähig war. "Mir tut es leid für die Jungs, die ganze Mannschaft, die Fans", sagte der Bayern-Star. "Wir haben ein gutes Spiel gemacht, haben irgendwie versucht, das 1:0 durchzubringen. Wir haben alles gegeben, Blut, Schweiß und Tränen - aber es hat nicht gereicht."
Für das Spiel um Platz drei am Samstag gegen die ebenfalls bitter enttäuschten Franzosen werden sich die Engländer noch einmal motivieren müssen. Es wird ihnen sehr schwer fallen. "Es gab viele Stolpersteine auf dem Weg und viel zu viele Demütigungen im Laufe der Jahre", schrieb der Telegraph. "Aber als England fünf Minuten vor Schluss in einem WM-Halbfinale führte, hatte man das Gefühl, dass es diesmal vielleicht anders sein könnte." Am Ende aber blieb England eben England.
O.Lorenz--BTB