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Verbesserte Konjunktur: Wirtschaftsinstitute heben Wachstumsprognosen deutlich
Die Konjunktur zieht wieder an: Weitere Wirtschaftsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr deutlich nach oben korrigiert. Das Kiel Institut (IfW) und das Leibniz-Institut aus Essen (RWI) erwarten nun eine Zunahme der Wirtschaftsleistung um 1,3 Prozent, das Münchener Ifo-Institut sogar um 1,4 Prozent, wie sie am Donnerstag mitteilten. Im Vergleich zur vorherigen Prognose hoben die Institute ihre Erwartungen damit um 0,5 bis 0,6 Prozentpunkte an. Die Chemieindustrie und der Maschinenbau meldeten verbesserte Geschäftssituationen.
"Für die Korrektur ist im Wesentlichen die Erholung im ersten Halbjahr verantwortlich, die insbesondere durch die Zunahme der Exporte bedingt war", erklärte das RWI. "Die private Nachfrage blieb dagegen schwach." Am Mittwoch hatte bereits das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) seine Prognose angehoben. Es erwartet ein Wachstum von 1,2 Prozent in diesem Jahr, ein Plus von 0,7 Punkten im Vergleich zum Juni.
"Deutliche Impulse aus dem Ausland und die Mehrausgaben für Infrastruktur, Klima und Verteidigung in Deutschland verhindern stärkere Bremsspuren beim Wachstum durch den Energiepreisschock und das Niedrigwasser auf den Flüssen", erläuterte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Vor allem für die krisengeplagte Industrie zeigten sich Lichtblicke.
Speziell die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie meldete am Donnerstag einen um 7,3 Prozent gestiegenen Branchenumsatz im zweiten Quartal. Die Unternehmen profitieren demnach von Sondereffekten wegen des Iran-Krieges: Viele Kunden hätten angesichts der Lage ihre Lager aufgefüllt, zudem träfen die Lieferkettenprobleme im Zuge des Konflikts die Konkurrenz in Asien stärker.
Der Maschinenbau bestätigte den guten Trend beim Auslandsgeschäft. Im Juli stieg der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahresmonat preisbereinigt um zwei Prozent, wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mitteilte. Wegen steigender Nachfrage aus dem Ausland stiegen die Order im Dreimonatsvergleich demnach sogar um acht Prozent.
Das Kiel Institut erklärte, die Konjunktur habe "ihre Talsohle zwar durchschritten - die Erholung bleibt jedoch fragil". Für das dritte Quartal erwarten die Konjunkturexperten lediglich ein Plus von 0,1 Prozent, weil das lange Niedrigwasser im Rhein die Produktion um schätzungsweise 0,2 Prozent dämpfe. Zum Jahresende dürfte die Wirtschaftsleistung demnach aber wieder stärker zulegen.
"Weitere Rückschläge drohen nach wie vor durch die Folgen des Iran-Kriegs", warnte das IfW. Und "zusätzliche expansive Impulse seitens der Finanzpolitik, die dieses Jahr die Wirtschaftsleistung anschieben, werden in den kommenden Jahren schwinden". Die Inflation bleibe zudem auf absehbare Zeit erhöht, was den privaten Konsum dämpfe.
Bei der Bewertung der Aussichten für die Folgejahre gehen die Prognosen auseinander. Das Ifo-Institut hob auch seine Prognose für 2027 ebenfalls um 0,4 Prozentpunkte auf 1,2 Prozent an. Für 2028 erwarten die Experten 0,8 Prozent Wachstum. Die Kieler Forschenden sind deutlich zurückhaltender, ihre Prognose für 2027 beließen sie unverändert bei 1,0 Prozent, für 2028 gehen sie nur noch von 0,5 Prozent Wachstum aus.
"Die Erholung ist zwar da, die strukturellen Probleme sind aber nicht verschwunden", erklärte Torsten Schmidt, RWI-Konjunkturchef. "Hohe Energiepreise, zu viel Bürokratie und schwache Wettbewerbsfähigkeit bremsen Deutschland weiter aus."
G.Schulte--BTB