Berliner Tageblatt - Ärmelkanal-Unglück mit 31 Toten: Schleuserprozess hat in Paris begonnen

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Ärmelkanal-Unglück mit 31 Toten: Schleuserprozess hat in Paris begonnen
Ärmelkanal-Unglück mit 31 Toten: Schleuserprozess hat in Paris begonnen / Foto: © AFP

Ärmelkanal-Unglück mit 31 Toten: Schleuserprozess hat in Paris begonnen

Knapp fünf Jahre nach einem Bootsunglück auf dem Ärmelkanal mit 31 Toten hat in Paris der Prozess gegen 14 mutmaßliche Schleuser begonnen. Sie sind unter anderem der fahrlässigen Tötung angeklagt. Es handelte sich um den schlimmsten Unfall, seitdem Migranten versuchen, in Schlauchbooten den Ärmelkanal zu überqueren. Zudem gab es Vorwürfe wegen unterlassener Hilfeleistung gegen die französischen Behörden. Diese sind Gegenstand eines weiteren Verfahrens.

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Ein Opferanwalt kritisierte zum Auftakt des Prozesses die Abwesenheit weiterer mutmaßlicher Verantwortlicher, die damals im Überwachungs- und Rettungszentrum Dienst hatten. "Es wäre gut gewesen, wenn alle auf der Anklagebank sitzen würden, damit alle Verantwortlichkeiten geprüft werden können", sagte der Anwalt Emmanuel Daoud, der eine betroffene Familie vertritt.

Das Unglück vom November 2021 hatte wegen der hohen Opferzahl und des Verhaltens der französischen Behörden Aufsehen erregt. Dazu laufen noch Ermittlungen gegen sieben französische Marinesoldaten, die im Verdacht stehen, Hilferufe ignoriert zu haben.

Die Angeklagten stammen überwiegend aus Afghanistan und aus dem Irak. Gegen zwei von ihnen, darunter einem mutmaßlichen Bandenchef, liegt ein Haftbefehl vor.

Zu dem Prozess haben sich 114 Nebenkläger gemeldet, vor allem Familien der Opfer, die unter anderem aus Afghanistan, Äthiopien, Somalia und Vietnam stammten. Neun Menschen reisten aus der irakischen Stadt Erbil an. Das Unglück überlebten nur ein Somali und ein Iraker.

"Wir waren seit drei Stunden auf dem Boot im offenen Meer, als immer mehr Wasser ins Boot kam", so zitierte die Vorsitzende Richterin den Überlebenden Issa Omar bei der Schilderung des Unglücks. "Dann ist das Boot gekentert, es brach Panik aus", berichtete Omar weiter.

Die Menschen an Bord hatten zuvor mehrfach die französische Seenotrettung angerufen. "Wir sind im Wasser", beschworen sie die französische Dienststelle. "Ja, aber sie befinden sich in britischem Gewässer", lautete die Antwort nach dem später veröffentlichten Protokoll. Eine Absprache mit britischen Stellen gab es nach Erkenntnissen der Ermittler nicht.

Das Schlauchboot, auf dem die Migranten die gefährliche Überfahrt versucht hatten, war laut der Anklageschrift von schlechter Qualität. Es habe mangelhafte Ventile gehabt, aus denen unter dem Gewicht der Passagiere die Luft entwichen sei. Es gab weder ein Ortungsgerät noch einen Steuermann mit Erfahrung.

Seit 2018 - nachdem Überfahrten als blinde Passagiere in Lastwagen aufgrund strengerer Kontrollen kaum noch möglich waren - überquerten mehr als 200.000 Menschen in Schlauchbooten den Ärmelkanal von Frankreich nach Großbritannien. Viele von ihnen haben dort bereits Verwandte oder Freunde oder hoffen darauf, dass sie sich dort auf Englisch und ohne Ausweispflicht besser durchschlagen können.

Frankreich und Großbritannien arbeiten eng zusammen, um die Überfahrten zu verhindern. Seit Beginn des Jahres erreichten etwa 16.500 Migranten Großbritannien auf dem Seeweg - 40 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

B.Shevchenko--BTB